Passen lernen

Der Flachpass ist eine Grundtechnik des Fussballs, mit der die Kinder im Kinderfussball ein erstes Mal in Kontakt kommen.

Das Thema ,Passen’ ist aus einer sozialen- sowie motorischen Komponente zusammengesetzt. Die soziale Komponente beschreibt des Zusammenspiel der verschiedenen Akteure, die als Verbund mit einem gemeinsamen Ziel interagieren. Bei der motorischen Komponente geht es um die motorische Bewegungsausführung an sich. Im Rahmen dieses Monatsthemas werden wir einen Fokus auf die motorische Komponente legen, werden aber die soziale Komponente nicht ausser Acht lassen wollen.

Unter einer sportlichen Technik versteht man ,,ein Verfahren zur bestmöglichen Lösung einer bestimmten sportlichen Bewegungsaufgabe’’. Die Frage stellt sich nun, wie man diese Passtechnik vermitteln soll. Und ob es nur eine korrekte Passtechnik gibt, oder ob man eher von ,individuellen bestmöglichen Lösungen’ sprechen muss. 

Typischerweise erkennen Ausbildner im Kinderfussball bei ihren Kindern ein Defizit in der Passtechnik und führen deshalb Übungen durch, bei denen die Kinder viel Passen müssen. Dies ist ein guter erster Schritt, denn grundsätzlich gilt im Motoriklernen, dass man durch oftmaliges Wiederholen einer Bewegungsidee diese verbessert.

Der Vorteil eines Drills ist neben der hohen Wiederholungszahl auch die einfache Überprüfbarkeit der motorischen Ausführungen, da sich ein Drill an einem ,Idealbild’ orientiert. So ist es für AusbildnerInnen einfach, Defizite bei Kindern in der Bewegung zu erkennen und zu korrigieren. Oft definieren die Ausbildner ihre Effektivität über die Fortschritte innerhalb eines Trainings. Zudem werden die Kinder in einem Drill nach vielzähligen Pässen diese auch immer besser ausführen. Dadurch erhält man schnell das Gefühl, dass sich die Passqualität verbessert! In der Wissenschaft fragt man sich aber, ob nun wirklich die Passtechnik verbessert wurde oder lediglich die Ausführung der spezifischen Übung (Lee, Magill, & Weeks, 1985).

Denn als Ausbildner sollten wir daran interessiert sein, Übungen durchzuführen, die es den Kindern ermöglichen, das Dazugelernte im Spiel anwenden zu können. Es geht darum, dass ihre Technik im Spiel besser wird. Sobald die Bewegungsidee bekannt- und ein Bewegungsgefühl erlangt ist, eignen sich also Spiele oder spielnahe Übungen besser, da bei diesen Formen sich die Anforderungen an die Technik stets variieren. Deshalb sollte man, meist viel früher als man denkt, zu spielnäheren Übungen übergehen. 

Spielnahe Übungen sind dadurch gekennzeichnet, dass jeder Bewegungsablauf anders ist als der letzte. Durch diese haben Fussballspieler eine grössere neuronale Kapazität und finden so im komplexen Fussballspiel, wo die Anforderungen für einen Pass ebenfalls ständig variieren, schneller die beste motorische Antwort (Davids, Williams, Button & Court, 2001).

Zum einen eignen sie sich also besser, das Gelernte ins Spiel zu transferieren. Zum anderen geht man auch davon aus, dass jeder Mensch eine individuelle Optimaltechnik hat, die nur durch Differenzen im Lernprozess und nicht durch Drills (welche durch ein Idealbilder vorbestimmt sind) erreicht wird. Zudem verändert sich die eigene Optimaltechnik im Verlaufe der Zeit, da sich unser Körper ständig in Entwicklung befindet (beides Schöllhorn, 1999).

Nachteil spielnaher Übungen im Vergleich zu Drills ist die erschwerte Überprüfbarkeit der Technik und unter Umständen die Herausforderung, eine hohe Wiederholungszahl/Zeit für jedes Kind zu gewährleisten.

Im Folgenden werden einige Übungen vorgestellt, die von ihrem Typ stufenweise eingesetzt werden können, um Kindern die Passtechnik zu vermitteln.

Um die Bewegungsidee zu begreifen und ein Bewegungsgefühl zu erlangen; eine analytische Form mit unterschiedlichen Anforderungen an die Pässe:

Eine spielerische Form mit Zeitdruck sowie unterschiedlichen Anforderungen an die Pässe:

Eine spielerische Form mit Zeitdruck und Gegnerdruck

Quellen:

Lee, T. D., & Magill, R. A. (1985). Can forgetting facilitate skill acquisition? In D. Goodman, R. B. Wilberg, & I. M. Franks (Eds.), Differing perspectives in motor learning, memory, and control (pp. 3 – 22). Amsterdam: Elsevier. 

Davids, K., Williams, A. M., Button, C., & Court, M. (2001). An integrative modeling approach to the study of intentional movement behavior. In R. N. Singer, H. A. Hausenblas, & C. M. Janelle (Eds.), Handbook of sport psychology (2nd edn., pp. 144 – 173). New York: Wiley. 

Schöllhorn, W. I. (1999). Individualität – ein vernachlässigter Parameter? Leistungssport, 29, (2), 7-11. 

Beitragsbild: www.dfb.de