Über die Konzentrationsfähigkeit von Kindern

Konzentration ist die Fähigkeit, die gesamte Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten. Kinder müssen diese Fähigkeit erst noch ausbilden. Untersuchungen haben folgende Konzentrationszeiten bei Kinder festgestellt.

AlterDauer der Konzentration im Durchschnitt
5 bis 7 JahreBis 15 Minuten
7 bis 10 JahreBis 20 Minuten
10 bis 12 JahreBis 25 Minuten
12 bis 16 JahreEtwa 30 Minuten

Nach Stumpenhorst gibt es verschiedene Ablenkungsarten, die Kinder daran hindern, sich auf etwas zu konzentrieren. Dazu zählen:

  • Visuelle Ablenkungen
    • Zum Beispiel der Fernseher, andere Kinder, ein Flugzeug
  • Akustische Ablenkungen
    • Musik, Lärm von Verkehr, Helikopter-Eltern oder Playstation-Trainer
  • Innere Ablenkungen
    • Unangenehme Gefühle und Gedanken

Die Konzentrationsfähigkeit von verschiedenen Faktoren ab. Folgende Bereiche haben Einfluss auf die Konzentration:

  • Die Sache selbst
    • Ist die Sache für mich interessant oder langweilt sie mich?
  • Von der aktuellen Stimmung
    • Fühle ich mich heute wohl, bin ich zufrieden/gestresst oder hatte ich gerade mit jemandem einen Streit?
  • Vom Können
    • Bin ich der Sache gewachsen, über- oder unterfordert sie mich?
  • Von der Umgebung
    • Was passiert gerade ausserhalb meiner Aufgabe? Ist das viel interessanter?

Wollen wir, dass die Kindern konzentriert bei der Sache sind und so ihre fussballerische Lernleistung erhöhen, sollten wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten die Konzentrationsfähigkeit der Kinder positiv zu beeinflussen. Die, natürlich nicht abgeschlossene, Liste unserer Massnahmen sieht folgendermassen aus:

  • Kurze Ansprachen und Unterbrechungen
  • Fokus auf kindsgerechte Inhalte (hierzu Leitsatz der Spielentwicklung gemäss SFV, wird unten weiter ausgeführt)
  • Fokus auf kindsgerechte Vermittlungsformen (spielen vor üben, wenig Coaching bzw. Kinder entdecken lassen, usw.)
  • Auswahl von Vermittlungsformen, bei denen alle Kinder in Bewegung sind (kein Warten in skilift-ähnlichen Kolonnen)
  • Inszenierung der Inhalte (Kinder verstehen und lernen besser durch Bilder)
  • Fähigkeitsangepasste Aufgaben (nicht zu einfach, nicht zu schwierig)
    • Dieser Punkt umzusetzen ist in einem Mannschaftstraining nicht ganz einfach. Wir empfehlen dabei Spielformen, bei denen das individuelle Niveau keine tragende Rolle spielt.
  • Unwichtige Ablenkungsquellen minimieren (speziell in Hallentrainings, aber auch sonst)
  • Umweltreize vermindern
  • Bewusst machen (,,Jetzt wollen wir uns auf das konzentrieren’’ oder Rituale)
  • Eine offene Lernsituation schaffen (damit wird die kindliche Neugierde geweckt)
  • weitere

Stumpenhorst sagt, dass der eigentliche Lernprozess in der Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit darin besteht, das aktive und bewusste Ausschalten der vielfältigen Umweltreize zu lernen. Deshalb müssen wir unsere Trainings so einrichten, dass dies den Kindern ermöglicht wird und sie das ,,sich konzentrieren’’, auf eine kindsgerechte Art und Weise, lernen können. Der zweite positive Effekt dieser Massnahmen ist, dass die Kinder bei uns im Training ,bei der Sache sind’. Und das wollen wir ja alle 😉

Natürlich sind nicht alle Massnahmen in allen Trainingsabschnitten bzw. allen Trainings ständig gleichzeitig umsetzbar. Doch glauben wir daran, dass Trainings besser werden, wenn man sich diese Punkte a) generell immer wieder bewusst macht und b) versucht, möglichst viele dieser Punkte jeweils in ein Training zu integrieren. Gibt es für Dich weitere Massnahmen, die wir noch nicht aufgelistet haben? Dann hinterlass gerne einen Kommentar, dann können wir alle davon profitieren!

Im letzten Abschnitt dieses Monatsthema wollen wir gemäss dem ,,Leitsatz der Spielentwicklung des SFV’’ Umsetzungsmöglichkeiten vorschlagen, die die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen. Der ,,Leitsatz der Spielentwicklung des SFV’’ empfiehlt die Umsetzung von altersgerechten Inhalten, sprich: Von ,,Ich und der Ball’’ über ,,Ich und Du und der Ball’’ zu ,,Wir und der Ball’’. Exemplarisch zu jeder Stufe eine Umsetzungsmöglichkeit mit Berücksichtigung der oben vorgeschlagenen Massnahmen:

,,Ich und der Ball’’ -> 1vs1 Mania

,,Ich und Du und der Ball’’  -> 1vs1 mit Joker

,,Wir und der Ball’’ -> 3vs1 Angriffswelle 

Quellen:

Hausaufgaben in der Zeit ohne Fussballtrainings

Zurzeit stehen wir alle am gleichen Punkt: Aufgrund des Corona- Virus fallen Trainings sowie Spiele aus und bis auf Weiteres ist keine Besserung in Sicht. Aus diesem Grund widmen wir uns in diesem Monatsthema der Möglichkeit, den Kindern “Hausaufgaben” zu geben. Diese sollten nicht unbedingt als verpflichtend gelten, sondern mehr als Empfehlung, was während der Zeit ohne Schule und Trainings sinnvolles gemacht werden kann. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die Kinder die Aufträge grundsätzlich sehr schätzen, da sie ihren geliebten Fussball vermissen und gerne etwas zuhause üben.

Grundsätzliches

Primär muss sich überlegt werden, was die Kinder überhaupt zuhause machen können. Dabei kann man nicht davon ausgehen, dass jedes Kind einen grossen Garten und ein fussballbegeistertes Geschwister hat. Die Übungen müssen deshalb auf kleinstem Raum und selbständig durchgeführt werden. Zudem ist es wichtig, dass der Grossteil der Übungen auch zuhause im Wohnzimmer durchgeführt werden könnte. Folgend listen wir Euch ein Beispiel auf und bieten vorgefertigte Übungen kostenlos zum Download an.

Erklärung der Übungen

Die Übungen haben wir für drei Schwierigkeitsstufen konzipiert. Somit können sie für praktisch alle Kinder in der Mannschaft genutzt werden und müssen nicht weiter ausdifferenziert werden. Die Kinder entscheiden also selbständig, welche Schwierigkeitsstufe sie bearbeiten möchten. Möglich wäre es selbstverständlich auch, dass sich die Kinder von “einfach” zu “schwierig” hocharbeiten. Weiter wurden die Blätter so aufgebaut, dass die Kinder ihre Übungszeit und den Rekord eintragen können. Dies soll nicht zur Kontrolle dienen, sondern die Übungszeit der Kinder würdigen. Möglich wäre es, dass die Mädchen und Jungs die Blätter wieder dem Trainerteam aushändigen, was aber nicht zwingend nötig ist. Unter der Rubrik “Übungen” stellen wir Euch jede Woche 3-4 Übungen kostenlos zur Verfügung. Diese könnt Ihr den Kindern direkt weiterleiten 🙂 Wir freuen uns über Feedbacks und überdenken gewisse Dinge auf Anregung gerne neu!

Ferien- Challenge

Wenn man die aktuelle Situation weiterdenkt und sich überlegt, was man daraus positives mitnehmen kann, so lässt sich die Idee mit den Hausaufgaben super weiterentwickeln. Jedes Fussballjahr wird von den Schulferien mehrere Male unterbrochen. Obwohl es gerade in dieser Zeit wichtig ist, dass die Kinder auch andere Aktivitäten verfolgen, so kann mit den Hausaufgaben eine sogenannte “Ferien-Challenge” organisieren. Dies könnte folgendermassen aussehen:

Die Kinder erhalten vom Trainerteam ein Blatt, auf welchem die Aufgabe erklärt wird. Zusätzlich lassen sich darauf die Versuche oder Rekorde notieren. Beim ersten Training nach den Ferien können die Kinder die Blätter mitnehmen und vergleichen. Das ganze sollte aber nicht unbedingt als Wettbewerb gegen die Mitspielerinnen und Mitspieler angesehen werden, sondern sollen sie unter Anleitung des Aufgabenblattes motiviert und freudvoll eine gewisse Technik erlernen. Zweifelsfrei werden die meisten Kinder extrem motiviert und mit grossem Durchhaltevermögen üben. Da es aber immer ein paar Kinder gibt, die das nicht so gerne haben, besteht die Möglichkeit, die Aufgaben auf freiwilliger Basis zu initiieren.

Dieses Thema werden wir in einem zukünftigen Monatsthema sicherlich weiterdenken und mit Beispielsaufgaben versehen! Nun empfehlen wir Di, den Newsletter zu abonnieren, damit du die nächsten Hausaufgaben-Blätter nicht verpasst.

Hast Du unsere Übungen benutzt? Dann schreib uns doch eine Rückmeldung in die Kommentarspalte 🙂

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Individuelle Förderung im Kinderfussball

Die individuelle Förderung gilt in der Arbeit mit Kindern als etwas ganz entscheidendes, da jedes Kind unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. In den letzten Jahren wird dieses Thema vor allem im schulischen Kontext extrem diskutiert und versucht umzusetzen. Die optimale Umsetzung scheitert allerdings oft und vor allem an den zeitlichen Ressourcen, da eine individuelle Förderung bei über 20 Schülerinnen und Schülern extrem aufwändig ist. Im Kinderfussball wird dieser Thematik- aus unserer Sicht- noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies obwohl wir im Vergleich zur Schule über weniger Kinder verfügen und das grosse Gegenargument des zeitlichen Aufwandes so nicht gelten lassen können. Dieser Beitrag setzt es sich nicht zum Ziel, die meist wirklich guten Ausbildungskonzepte der Verbände zu hinterfragen, sondern vielmehr die Einstellung und das Bewusstsein für individuelles Fördern zu erhöhen. Nachfolgend werden deshalb einfache Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Kinder individuell noch besser gefördert werden können.

Achtung: Wichtig ist es, den Kindern die nötigen Freiräume für ihre Kreativität zu geben. Individuelles Fördern soll lediglich als Hilfestellung dienen. Die Lösungen und die Umsetzung darf nicht nur fremdgesteuert werden, sondern soll den Kindern als Rahmen für eigenständiges Ausprobieren dienen.

Grundsätzliches zur Diagnose

Um die Kinder individuell Fördern zu können, müssen wir in erster Linie überhaupt wissen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen. In der Wissenschaft und in Fachzeitschriften wird dies Diagnose genannt. Die Diagnose zeigt sich als am Schwierigsten, da wir Ausbildner im Kinderfussball meist ehrenamtlich tätig sind. Dies bedeutet, dass wir uns nicht tagtäglich mit unseren Kindern auseinandersetzen können, da Beruf, Familie, Hobbys etc. ebenfalls einen grossen Teil unseres Lebens einnehmen. Folgerichtig müssen wir die Entwicklungsstände unserer Kinder festhalten. Nur so wissen wir, wo sie sich gerade befinden und was sie in dieser Phase brauchen.

Entwicklungsheft

Im Entwicklungsheft können Beobachtungen und Folgerungen (Ziele bzw. Coachingpunkte) festgehalten werden. So kann man die Entwicklung des Kindes und die aktuellen Schwächen ausfindig machen. Durch das Notieren der Folgerungen können zukünftige Tätigkeiten der Ausbildner niedergeschrieben werden. Beispielsweise wäre die Beobachtung: “Kind fühlt sich in der Mannschaft nicht wohl.” Als Folgerung notieren die Ausbildner: “Gespräche innerhalb der Mannschaft und einzeln mit dem Kind sowie Übungen mit Teambuilding Elementen verbinden.”
In welcher Form das Entwicklungsheft geführt wird, soll das Ausbildnerteam selbst entscheiden. Unter dem Strich ist es primär wichtig, dass der Zeitaufwand für alle beteiligten Personen im Rahmen bleibt. Deshalb also lieber kürzer und nicht zu umfangreich als zu umfangreich gestaltet und aufgrund von zeitlichen Ressourcen irgendwann nicht mehr durchführbar.
Ein Beispiel führ ein Entwicklungsheft zeigen wir bei uns im Donwloadbereich. Dazu einfach den untenstehende Link anklicken.
https://kinderfussball-blog.ch/uebungen/

Individuelle Ziele

Die getätigten Beobachtungen zeigen auf, wo die Kinder noch Schwierigkeiten haben. Eine Möglichkeit wäre es, vereinzelt Wochen-, Monats- oder Turnierziele auf einen Zettel zu notieren. Diesen dann einzeln den Kindern geben und sie regelmässig die Ziele selbst überprüfen zu lassen. Ein Ziel könnte beispielsweise sein: “Ich brauche meinen linken und rechten Fuss”. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Kinder voll darauf abfahren und es toll finden, wenn sie ihre Ziele erreichen können. Wichtig ist es, dass die Ziele nicht zu kompliziert sind und meist nach einigen Trainings oder Wochen erreicht werden können. Nur so steigert sich die Motivation und die Freude an der Arbeit mit Zielen. Die Möglichkeit darf allerdings nur vereinzelt genutzt werden, da sich die Kinder ansonsten nur noch auf die Erfüllung der Ziele konzentrieren. Schlussendlich sollen sie aber die Freude und Unbekümmertheit am Fussball auf keinen Fall verlieren!

Individuelle Schwerpunkte

Übungen sind ebenfalls ausgezeichnete Anlässe um individuell zu fördern. So sollen die Kinder angeregt werden, in technischen Übungen alles in ihrem schnellstmöglichen aber noch sicheren Tempo durchzuführen. Ausserdem können beispielsweise zwei Finten oder Wendungen ausgewählt werden. Eine für die Einsteiger und eine für die Fortgeschrittenen. Dies muss man natürlich nicht offen kommunizieren, aber die Kinder sollen ihre Schwierigkeitsstufe selbst wählen. Sätze wie “Wer sich schon sehr sicher fühlt, kann mal folgendes ausprobieren…” helfen dabei. Ausserdem wissen die Kinder durch das Benutzen der Ziele, was sie aktuell noch verbessern wollen/sollen. Auch dadurch kriegen sie ein Verständnis für ihre individuellen Schwerpunkte.

Gespräche und individuelle Rückmeldungen

Gespräche mit den Kindern sind wie das ABC in der deutschen Sprache. Sie können entweder auf dem Weg zum Platz oder nach dem Training geschehen. Sehr sinnvoll sind ausserdem kurze Gespräche während Übungen oder Spielen. Dann bietet es sich an, die Kinder kurz zu sich zu holen und ihn aufzufordern, etwas zu verändern. Als Beispielssatz könnte folgendes dienen: “Fritz, versuche Mal mit vollem Tempo und ganz mutig auf den Gegner zu dribbeln. Du kannst das!”. Die Kinder werden dies natürlich sofort und mit vollem Eifer versuchen umzusetzen. Die Ausbildner können die folgenden Aktionen des Kindes beobachten und das Verhalten durch Lob verstärken. Ausserdem können so während dem Training regelmässig kurz Kinder zu den Ausbildner geholt und mit individuellen Schwerpunkten oder Aufgaben wieder ins Spiel geschickt werden. Sehr zu empfehlen sind kurze Gespräche bei der Verabschiedung der Kinder. Diese sollen aber zwingend positiv formuliert werden, damit das Kind mit einem guten Gefühl nach Hause geht. Zudem bleiben diese Sätze meist im Gedächtnis, so dass sie auf der Heimfahrt direkt dem Papa oder der Mama erzählt werden. Als Beispielssatz gilt folgender: “Max, ich fand es super, wie du dich heute verhalten hast. Selbst als du Mal ein paar Fehler gemacht hast, hast du nicht aufgeben und weitergespielt. Das war echt toll!”

Üben in Gruppen

Sollte ein Kind beispielsweise noch Mühe mit der Ballan- und mitnahme haben, so macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, ihn in einer Passübung in einer Gruppe mit den Stärksten der Mannschaft zu haben. Das Kind gerät unter Druck und verliert an Selbstvertrauen, wenn die Übung wegen ihm nicht funktioniert. Lieber teilt man die Gruppen und versucht mit den Kindern, welche in etwa die gleichen Defizite haben, diese aufzuarbeiten. Die Passschärfe dürfte somit niedriger sein und das Annehmen des Balles auch einfacher. Zudem können die Leistungsstärkeren in ihrer Gruppe wiederum individueller gefördert werden, in dem sie auf ihrem Niveau am technischen Element arbeiten. Dasselbe gilt auch für Kinder, welche wenig Selbstvertrauen haben. Üben sie mit etwa Gleichstarken, so kommen sie zu deutlich mehr Erfolgserlebnissen. Treffen sie in einer 1 gegen 1 Übung immer wieder auf die stärksten der Mannschaft, so haben sie keine realistische Chance auf Erfolgserlebnisse. Auch die leistungsstärkeren Kinder profitieren von Duellen gegen Gleichstarke, da sie gefordert werden.
Auch hier ist es wieder wichtig, dass die Gruppe nicht in jeder Übung geteilt wird. Dies würde den Kindern klar aufzeigen, wer die besseren und schlechteren innerhalb der Mannschaft sind. Vereinzeltes Teilen der Gruppen erachten wir aber als sehr sinnvoll.

Individuelle Förderung im Spiel

Habe ich beispielsweise ein Kind, das schon viel mitbringt, allerdings nur mit einem Fuss spielt, so kann ich das im Spiel beeinflussen. Als Provokation dient die Falsch-Fuss-Taktik. Ein Kind, welches bevorzugt mit dem rechten Fuss spielt, kann vermehrt auf der linken Seite zum Einsatz kommen. Mit der transparenten Begründung durch die Ausbildner lernt er automatisch, den linken Fuss mehr zu brauchen. Dasselbe gilt für Kinder, alle möglichen Defizite. Das Ausbilderteam muss sich überlegen, auf welcher Position das Kind provoziert wird, das eigene Verhalten zu überdenken. Auch hier gilt allerdings, dies nicht zu oft durchzuführen denn ansonsten können die Kinder bei regelmässigem Misserfolg auch die Freude am Spiel oder an der Position verlieren.

Habt ihr noch weitere Ideen zur individuellen Förderung? Lasst es uns in der Kommentarfunktion wissen 🙂

Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.1

Play more football

Das Projekt “play more football” steht für die Einführung einer neuen Spielform auf der Stufe des Kinderfussballs (speziell E-Junioren). Gekennzeichnet wird es durch die Mischung aus Klein- sowie Grossfeldspielen (vgl. Monatsthema Funino). Der SFV möchte damit die positiven Aspekte beider Spielformen aufgreifen und in die Ausbildung der Kinder integrieren. An der nationalen Trainertagung vom Bundesamt für Sport Schweiz stiess die Idee auf offene Ohren und wurde sogar mit dem Swiss Olympic Science Award ausgezeichnet.

Wieso das bisherige überhaupt ändern?

Das oberste Ziel der Trainerinnen und Trainer ist die bestmögliche Förderung der Kinder, doch dazu braucht es ein stetiges Reflektieren. Die Tatsache, dass im 7:7 die Anzahl Ballkontakte und die Aktionen der Kinder im Vergleich zu den kleinen Spielen abnehmen, wird seit längerer Zeit wild diskutiert. Da es aber sowohl für kleine Spiele als auch für grössere Spiele (wie 7:7) sichtbare Vor- und Nachteile gibt, hat sich der SFV für eine Mischung der beiden Spielformen entschieden. So können die Kinder einerseits vom grösseren Feld und anderseits von einer höheren Quantität an Ballkontakten und Aktionen profitieren.

Wie funktioniert “play more football”?

Statt sich wie bisher auf nur eine Spielform zu konzentrieren, steht “play more football” für die Kombination aus Beidem. Ein typischer Turniermorgen soll deshalb so aussehen:

  • Zuerst 3x 10 Minuten Kleinfeldfussball (4 gegen 4 ohne Torspieler)
  • Anschliessend 3x 15 Minuten Grossfeldfussball (7 gegen 7 mit Torspieler)

In beiden Formen spielen jeweils alle Mannschaften gegeneinander. Dies hat eine Auswirkung auf die Anzahl Ballkontakte, Sprints, Torabschlüsse, erlebte Spielsituationen und nicht zuletzt auf die Verbesserung der taktischen Fähigkeiten. Damit sind allerdings keine einstudierten Angrifs-Auslösungen, sondern das Umschaltverhalten offensiv-defensiv sowie das Schaffen von Tiefe und Breite gemeint. Idealerweise lassen sich die vier kleinen Felder in kurzer Zeit in zwei Grossfelder umwandeln. Neben der besseren fussballerischen Förderung steht also keine enormer Zuwachs an organisatorischen Arbeiten an.

Abbildung 1: SFV

Stärken und Gründe für die Umsetzung

In einer Studie vom SFV und der Hochschule Magglingen verglich das Team um Projektleiterin Mirjam Hintermann das Verhalten von 323 Spielerinnen und Spieler in der aktuellen sowie in der neuen kombinierten Spielform. Abbildung 2 zeigt für die kombinierte Spielform folgende Stärken:

  • 62% mehr Spielaktionen
  • Deutlich mehr erfolgreiche und nichterfolgreiche Aktionen
  • Fast doppelt so viele Ballannahmen pro Minute
  • Doppelt so viele Abschlussversuche pro Minute
Abbildung 2: Hintermann et Al.

Wo finde ich zusätzliche Infos zum Projekt?

Wie üblich, stellt der SFV vorgefertigte Spielpläne und weitere Informationen auf ihrer Homepage zum Download an. Dazu einfach hier klicken.

Was meint das Kinderfussball-blog Team dazu?

Um die Kinder bestmöglich zu fördern, brauchen sie zwingend Aktionen und Lernmöglichkeiten. Aus unserer Sicht soll sich dieser Ausbildungsgedanke während dem Wechsel von den F- zu den E- Junioren auf keinen Fall verändern. Die Kinder müssen weiterhin die Möglichkeit haben, entdeckend zu lernen und brauchen für ihre Entwicklung vor allem positive und negative Erfahrungen. Gleichzeitig sollen sie aber einen Schritt näher an das 11 gegen 11 herangeführt werden, weshalb es Sinn machen würde, die Spieleranzahl zu erhöhen. Diese Vor- und Nachteile waren auch bei uns oftmals Zündstoff für interessante Diskussionen und die neue Wettbewerbsform “play more football” scheint dafür nun eine sehr gute und einfach umsetzbare Lösung zu sein. Dafür sprechen auch die Resultate der durchgeführten Studie beziehungsweise die gesteigerte Quantität der erfolgreichen und nichterfolgreichen Spielaktionen. Aus den genannten Gründen empfehlen wir die kombinierte Spielform wärmstens und hoffen, dass bereits jetzt zahlreiche Vereine eigenständige Turniere in diesem Modus veranstalten. In etlichen Diskussionen mit Trainerinnen und Trainer stellten wir allerdings auch das grosse Problem einer solchen Neuerung fest: Die Erwachsenen! Für uns Erwachsene steht der Fussball für wöchentliche Spiele gegen andere Gegner, Tabellen, zwei Tore sowie Stamm- und Ersatzspieler. Dieses Denken muss aber schleunigst geändert werden, denn im Zentrum stehen die Kinder und diese haben selten ein Problem, wenn sie mehr und intensiver zum Spielen kommen 🙂
Für eine bessere Ausbildung lohnt es sich deshalb, dem Projekt eine Chance zu geben und bereits vor der verpflichtenden Einführung damit zu starten.

Was denkt Ihr darüber? Diskutiert fleissig mit! 🙂

Quellen:

SFV: https://www.football.ch/sfv/kinder-und-schulfussball/play-more-football/projekt.aspx

Hintermann, Mirjam; Fuchslocher, Jörg; Kern, Raphael; Born, Dennis-Peter und Romann, Michael: play more football [https://www.swissolympic.ch/dam/jcr:73232a94-755c-4c2c-827d-950c9c784dfc/Book%20of%20Posters2019.pdf, 31.12.2019]

Das Kinderfussball Konzept des schweizerischen Fussballverbands

Die kleine Schweiz hat sich seit dem Jahr 2006 für alle vier möglichen Weltmeisterschaften und seit 2004 für vier von möglichen fünf Europameisterschaften qualifiziert. Im Vergleich zum direkten Nachbar Österreich, welcher sich im selben Zeitraum für keine Weltmeisterschaft und drei von möglichen fünf Europameisterschaften qualifiziert hat, sind dies ziemlich beeindruckende Werte. Doch was sind die Gründe für die guten Leistungen der kleinen Schweiz? Im folgenden Artikel werden die Philosophie und das Konzept des schweizerischen Fussballverbands (SFV) im Bereich des Kinderfussballs genauer unter die Lupe genommen.


Das Konzept des SFV basiert auf der Haltung, dass jedes Kind eine unterschiedliche und vielfältige Begabung vorweist. Das Ziel des Kinderfussballs ist deshalb, das bestmögliche Ausschöpfen der individuellen Potentiale. Daraus ergibt sich das Modell der “3 L”. Diese stehen für Lachen, Lernen und Leisten. Das Lachen steht dabei bewusst an erster Stelle, da der Lernerfolg ohne positive Emotionen deutlich geringer ausfallen würde. Die Trainerinnen und Trainer sollen sich demnach nach jedem Training oder Spiel die Frage stellen, ob gelacht, gelernt und geleistert wurde.

Lachen, Lernen, Leisten: schweizerischer Fussballverband

Ausbildungsgrundsätze

Der SFV definierte die vier folgenden Ausbildungsgrundsätze als Basis für ein erfolgreiches Training.

  1. Spielerisch
    Damit die Kinder lernen, sollen sie in ihrer Lebenswelt abgeholt werden. Dies bedeutet, sich der kindlichen Sprache und dem Bekannten zu widmen. “Schnell wie ein Flugzeug”, “Mutig wie ein Löwe” oder “Dribbeln im Hütchenwald” inszeniert für die Kinder eine spielerische und lernreiche Übung.
  2. Kindergerecht
    Niemand ist gleich und alle entwickeln sich unterschiedlich. Um das Training an die Bedürfnisse der Kinder anpassen zu können, braucht es Verständnis und Interesse an der kindlichen Entwicklung. Nur so kann ein sinnvolles und kindergerechtes Training angeboten werden. Ausserdem soll durch “Lachen, Lernen, Leisten” ein gutes Lernklima entstehen, damit die Kinder nachhaltig motiviert sind.
  3. Vielseitig
    Kinder sind keine Spezialisten und sollen deshalb nicht so gefördert werden! Sie zeichnen sich stattdessen durch Neuigierde und Kreativität aus. Genau aus diesem Grund soll ein Training vor allem eines sein: Abwechselnd. Ferner benötigen Kinder vielfältige Bewegungserfahrungen um sich motorische Kompetenzen und Erfahrungswissen aufbauen zu können. Ein Training mit Kindern soll deshalb unbedingt auf dem Prinzip der Vielseitigkeit basieren.
  4. Spielsituationsorientiert
    Kinder wollen spielen und das Spiel gilt als der beste “Lehrmeister”. Allerdings soll nicht nur “einfach gespielt werden”, sondern durch Provokationen (enger Raum, rundes Feld, langes/breites Feld) die Entwicklung der Kinder unterstützt werden. Der SFV unterteilt das Spiel in die zwei grundsätzlichen Spielphasen “Wir haben den Ball” und “Der Gegner hat den Ball”. Durch die damit verbundenen Ziele, bspw. “Tore zu erzielen” oder “Tore zu verhindern” ergeben sich Leitplanken, an welchen sich die Ausbildung orientieren muss. Gerade bei den kleinsten Junioren steht das “Tore erzielen” im absoluten Fokus, da dies unter Anderem die grössten lernwirksamen Emotionen freisetzt. Im Laufe der Entwicklung werden auch das Kollektiv (Zusammenspiel etc.) und das Verteidigen (Rückerobern des Balles) wichtiger.
    Der unten dargestellte Spielkompass visualisiert die beiden Spielphasen und die vier Spielsituationen.
Der Spielkompass: schweizerischer Fussballverband, S.11

Trainingsschwerpunkte

  • Fussball spielen lernen
    Die Vermittlung des Fussball-ABC´s gilt als Herzstück des Trainings. Im Kinderfussball geniesst das Ermöglichen von möglichst vielen Ballkontakten einen hohen Stellenwert. Aus diesem Grund wird gefordert, dass jedes Kind im Training über einen eigenen Ball verfügt. Diese anfängliche Stufe wird im Leitsatz der Spielentwicklung als “Ich und der Ball” definiert. Die Kinder sollen mit ihrem Ball möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen machen und sich primär an das Spielobjekt gewöhnen können.
    Auf der zweiten Stufe, “Ich und Du und der Ball” wird der Aufbau des technischen Repertoires und das Ausführen von Übungen zu zweit forciert. Das frühere eigenständige Üben wird nun durch miteinander oder nebeneinander ersetzt.
    Zuletzt, gewinnt das Passen und Zusammenspielen sowie das kooperative Miteinander auf der Stufe “Wir und der Ball” an Bedeutung. Diese Stufe gilt sogleich als “Abschluss” der Spielentwicklung und umfasst die bekannten kleinen Spiele.
    Die nachfolgende Abbildung zeigt die Trainingsthemen und deren Wichtigkeit in der jeweiligen Kategorie (gekennzeichnet durch die Anzahl Punkte).
    Zur Erklärung: die G-Junioren entsprechen der Bambini-Kategorie in Deutschland.
Trainingsthemen und Schwerpunkte: schweizerischer Fussballverband, S.13
  • Vielseitigkeit erleben
    Zwingend sollen in allen Trainings Spiele und Übungen zur Vielseitigkeit enthalten sein. Die Vielseitigkeit wird dabei in drei Kategorien unterteilt: Mutig und stark, rhythmisch und geschickt sowie flink und wendig. Neben den unten abgebildeten Bewegungsgrundformen sollen auch unterschiedliche Sinne angesprochen werden. Diese tragen alle ihren Teil zu einer ganzheitlichen Ausbildung bei und beeinflussen sich gegenseitig. So hat beispielsweise der Gleichgewichtssinn direkte Auswirkung auf die Handlungsschnelligkeit.
Bewegungsgrundformen: schweizerischer Fussballverband, S.8
  • Fussball spielen
    Der Schwerpunkt “Fussball spielen” umfasst das freie und ungezwungene Spiel. In diesem Setting sollen die Kinder mutig neue Dinge ausprobieren und auf keinen Fall durch die Trainer gehemmt werden. Die Trainerinnen und Trainer greifen nur bei grösseren Regelübertretungen oder Spieländerungen ein. Auch Konflikte und Diskussionen sollen von den Kindern möglichst selbständig gelöst werden. Damit möchte der SFV die Entwicklung der Talente und nicht zuletzt auch die Kreativität fördern.

Das Trainingsschema

Neben den bereits genannten Schwerpunkten und Ausbildungsgrundsätzen empfiehlt der SFV das Einhalten des Trainingsschemas. Dieses besteht aus einer Einleitung, welche die Kinder körperlich und gedanklich auf das Training einstimmen soll. Auch hier muss jedes Kind über einen eigenen Ball verfügen und vor allem bei den Kleinsten kann eine interessante Geschichte inszeniert werden. Im Hauptteil werden dann die drei Schwerpunkte umgesetzt, wobei die Reihenfolge keine Rolle spielt. Wichtig ist es, von jedem Schwerpunkt eine Übung oder ein Spiel in die Planung zu integrieren. Der Ausklang gilt als gemeinsames und beruhigendes Ritual, um das Training zu beenden.

Methodischer Fahrplan

Der methodische Fahrplan gilt als Leitlinie für das Training und berücksichtigt die kindliche Entwicklung. Die folgenden drei Stufen werden innerhalb einer Übung nacheinander durchgeführt.

  1. Offen starten
    Der offene Start dient dazu, die Kinder in erster Linie abzuholen und ihnen die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren, zu geben. Zudem sollen sie je nach Interesse auch unbekannte Techniken ausprobieren und entdecken.
  2. Üben
    Im folgenden Teil wir die Aufmerksamkeit klar auf die Qualität einer Technik oder Bewegung gelegt. Die Kinder sollen diese nun durch zahlreiche Wiederholungen ausprobieren und lernen. Dabei stehen ihnen die Trainer mit Hilfestellungen und Korrekturen zur Seite.
  3. Wetteifern
    Nach der intensiven Übungsphase soll die Konzentration durch einen initiierten Wettbewerb aufrecht erhalten werden. Gleichzeitig steigert sich die Intensität, was zum Ende einer Übung eigentlich nicht der Normalität entspricht.

Spielprinzipien

Die Spielprinzipien gelten als notwendige Basisstruktur und dienen zur Erklärung des Spielverhaltens und zur Beratung der Kinder. Sie sollen vor allem während den Turnieren, aber auch während den Trainings im Schwerpunkt “Fussball spielen lernen” und “Fussball spielen” behandelt werden.

Spielordnung
Mit der Spielordnung werden keine taktischen Positionen gemeint, sondern das Vermitteln eines Gefühls für eine sinnvolle Grundordnung. Diese endet meist in einer Dreiecks- oder Rhombendbildung. Gemeint wird dadurch das Freistellen, die Abstände zum Mitspieler sowie die Tatsache, dass nicht alle auf dem gleichen Fleck stehen sollen.

Wechselnde Spielpositionen statt Spezialisierung
Im Kinderfussball soll ganzheitlich ausgebildet werden. Aus diesem Grund müssen die Kinder Perspektivenvielfalt erleben. Damit wird gemeint, in unterschiedlichen Rollen (Torwart, Verteidiger, Stürmer) am Spiel teilzunehmen. Bewusst wird also auf ein zu frühes Festlegen von Positionen verzichtet und auch der später potentielle Torwart soll regelmässig auf anderen Positionen zum Einsatz kommen.

Spielprinzipien: schweizerischer Fussballverband, S.32

Wie geht es nun weiter?

Als erstes Sonderthema veröffentlichen wir im Januar wöchentlich kurze Berichte über die spannendsten Projekte des schweizerischen Fussballverbands. Ob Nachwuchs-Leiter oder Trainer: Es hat für jeden etwas dabei. Vielleicht lassen sich gewisse Dinge ja auch im eigenen Verein direkt umsetzen 🙂 Hinterlasse ein Kommentar und diskutiere mit uns über die Ansätze des SFV!

Quellen:

Kern, Raphael; Papilloud, Jean-Jacques; Furger, Claudia; Mangiarratti, Alessandro und Truffer, Bruno (2015): Kinderfussball – Theorie und Praxis. Bern: Schweizerischer Fussballverband