Die Heidelberger Ballschule

Das Konzept der Heidelberger Ballschule wurde 1996 von Klaus Roth entwickelt. Das Ziel der Ballschule ist, dem vielerorts verbreiteten Bewegungsmangel von Kinder entgegenzuwirken. Die vorgeschlagenen Massnahmen des Heidelberger Konzeptes dienen zudem dazu, Kinder zu motorischen Allrounder auszubilden, was dem Trainingsprinzip der zunehmenden Spezialisierung entspricht. Durch diesen vielseitigen Ansatz soll einerseits den Kindern einen breiten Zugang zum Sporttreiben ermöglicht werden. Denn die Basis dafür wird in der Kindheit gelegt: Wer dort Begeisterung an der Bewegung oder an einer Sportart findet, überträgt dies ins Erwachsenenalter. Anderseits ist es aus motorischer Sicht von grosser Bedeutung, zuerst koordinativ umfassend geschult zu werden, um erfolgreich in einer Sportart spezialisieren zu können.

Diese Annahme basiert zum einen auf Feststellungen von Sportwissenschaftler („Mit der Schulung der Koordinativen Fähigkeiten kann nicht früh genug begonnen werden, da sie die jeweilige Voraussetzung für eine erhöhte motorische Lernfähigkeit in den nachfolgenden Altersstufen darstellt“, 2010, Weineck) und zum anderen auf Aussagen von ehemaligen Leistungssportler wie Mehmet Scholl: „Ich habe einfach gespielt, wie ich Spaß hatte: mal Tischtennis, dann Basketball oder Handball, also alles, was mit Bällen zu tun hatte.“ 

Das ,einfach mal Spielen’ geht aus der Lebenswelt der heutigen Kinder immer mehr verloren. Die Lebenswelt der Kinder hat sich, übertrieben formuliert, vom ,,Austoben auf der Strasse und im Wald’’ hin zum ,,Einrosten hinter der Konsole’’ gewandelt. Umso wichtiger also, den Kindern durch Sportangebote in Verein und Schule vielfältige und unangeleitete Bewegungserfahrungen zu ermöglichen.

Im Folgenden werden die Prinzipien der Heidelberger Ballschule mit entsprechenden Vorschlägen für die Praxis vorgestellt.

Die Leitsätze:

  • Entwicklungsgemässheit (Kinder sind keine Erwachsene)
  • Vielseitigkeit (Kinder sind Allrounder und keine Spezialisten)
  • Spielerisch-unangeleitetes Lernen (spielen vor üben)
  • Freudbetontheit (spielen macht Spass)

Das ABC für Grundschulkinder:

  • A = taktische Basiskompetenzen (spielerisch-situationsorientiert)

Bei dieser Säule geht’s darum, den Kindern das ,,Lesen von Spielsituationen’’ beizubringen. Dies wird erreicht, in dem man sie in konstruierten Spielformen mit basistaktischen Problemen konfrontiert, die in verschiedenen Spielsportarten gleichermassen vorkommen. So ist ,,Anbieten und Orientieren’’ im Handball genauso von Bedeutung wie im Basketball, Fussball oder Eishockey.

  • B = koordinative Basiskompetenzen (fähigkeitsorientiert)

Es wird davon ausgegangen, dass es bei den Ballspielen allgemeine, technikübergreifende Leistungsfaktoren gibt, die dazu dienen, motorische Fertigkeiten zu erlernen, zu kontrollieren sowie zu variieren. Diese Faktoren sind die koordinativen Fähigkeiten. Wer ein hohes Koordinationsniveau besitzt, dem oder der fällt bewegungsmässig alles leichter.

  • C = technische Basiskompetenzen (fertigkeitsorientiert)

Hier geht es um die Vermittlung von Basistechniken. Die Idee ist, dass gewisse   technische Elemente wie bspw. ,,Flugbahn des Balles erkennen’’ in verschiedenen Spielsportarten vonnöten ist und deshalb diese Säule in die Anfängerausbildung gehört.

Die Unterkategorien der Bausteine:

TaktikbausteineKoordinationsbausteineTechnikbausteine
Ziel ansteuernBallgefühlFlugbahn des Balles erkennen
Ball dem Ziel annähernZeitdruckPositionen & Bewegungen der Mitspieler erkennen
ZusammenspielPräzisionsdruckPositionen & Bewegungen der Gegenspieler erkennen
Lücken ausnutzenKomplexitätsdruckLaufweg zum Ball bestimmen
Gegnerbehinderung umgehenOrganisationsdruckSpielpunkt des Balles bestimmen
Überzahl herausspielenVariabilitätsdruckBallbesitz kontrollieren
 BelastungsdruckBallabgabe kontrollieren

Folgend drei Umsetzungsideen für die Praxis:

Taktische Basiskompetenzen: Pylone bewachen

Koordinative Basiskompetenzen: Prellfangspiel auf Linien

Technische Basiskompetenzen: Flugbahn schätzen

Quelle: https://ballschule.de

Hast du die Heidelberger Ballschule bereits gekannt und gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht? Was ist deine Meinung?

Mit Chaos Spielformen die modernen Fussballer entwickeln

Wir behaupten: Chaos Spielformen sind ideal für die Entwicklung der modernen Fussballerinnen und Fussballer! Doch wieso kommen wir zu diesem Entschluss?
Abschliessend empfehlen wir ein eBook, welches mit einfach erklärten Übungen die Thematik aufgreift.

Der Fussball entwickelt sich aktuell immer rasanter. Während die Spieler früher noch mit guter Technik oder einer extremen Schnelligkeit herausragen konnten, so gelten die damaligen „Waffen“ heute als Grundanforderung des modernen Fussballs. Mittlerweile sprechen wir von unter einer Sekunde durchschnittliche Zeit zwischen Ballannahme- und abspiel. Ein durchschnittlicher Bundesligastürmer hat den Ball pro Spiel nur noch rund 45- 50 Sekunden am Fuss. Diese Zahlen zeigen, wie schnell der Fussball in den letzten Jahren geworden ist. Das alleinige Ausbilden von fussballspezifischen Fähigkeiten wie Zweikampfführung oder Passspiel gehört zweifelsfrei nach wie vor zum wichtigen Inhalt des Trainings, allerdings gilt es, diese Fähigkeiten zur richtigen Zeit abrufen zu können. Aus diesem Grund müssen die Kinder und Jugendliche sowohl über eine gute Orientierungsfähigkeit als auch über gut ausgebildete Kognitive Funktionen verfügen. Jede Spielerin und jeder Spieler beobachtet Spielsituationen und muss dabei möglichst schnell die beste Entscheidung treffen. Damit die Wahrscheinlichkeit der richtigen Entscheidungen steigt, gehört ein entsprechendes Training in allen Altersstufen ins Programm. Auch wenn es für deren Ausbildung bestimmt tausende Möglichkeiten gibt, so orientieren sich Chaos Spielformen an den Bedürfnissen der Kinder und sind sehr einfach durchzuführen.

Wie werden Chaos Spielformen in unserem eBook definiert?

Der Begriff wird mittlerweile ziemlich oft verwendet und umschreibt daher nicht immer die exakt gleiche Art von Spielen und Übungen. Wir definieren Chaos Spielformen für uns so, dass es bekannte Spielformen sind, welche mit chaotischen Elementen ergänzt werden. Meist sind diese Elemente die erhöhte Spieleranzahl in einem reduzierten Raum. Dadurch bleibt die Form spielnahe, da wir keine im Fussball nicht enthaltenen Elemente mit einbeziehen.

Beispielsübung “Duelle im Kreis”

Die Beispielsübung “Duelle im Kreis” aus dem empfohlenen eBook beschreiben die Chaos Spielformen perfekt. Immer zwei Kinder spielen gegeneinander. Im Beispiel wurden die Partner mit den gleichen Farben gekennzeichnet. Nun duellieren sie sich in 1 gegen 1 Situationen und versuchen, möglichst viele Tore zu erzielen. Dadurch werden enorm viele Ballkontakte, Aktionen und Entscheidungen provoziert. Neben den technischen Fähigkeiten werden also auch die exekutiven Funktionen trainiert, was für den schnellen Fussball der Zukunft entscheidend sein wird. Zudem lässt sich die Übung einfach erklären und durchführen. Einfach gesagt, durch den Aufbau der Übung werden die Kinder vielseitig und zukunftsorientiert gefördert.

Wieso sind die Chaos Spielformen des eBooks ideal für die Entwicklung?

Die Kinder haben eigene Bedürfnisse und wenn man diese berücksichtigt, können sie extrem viel leisten. Primär ist in diesem Alter ein grosser Spieltrieb zu beobachten. Die Kinder wollen und sollen daher spielen! Da das Toreschiessen und Dribbeln zweifelsfrei am meisten Spass machen, ist es wichtig, dass die Kinder dies auch dürfen. Darüber hinaus setzt ein Torerfolg wichtige Emotionen frei und steigert die Motivation der Lernenden. Zudem ist es im „goldenen Lernalter“ aus fussballerischer Sicht wichtig, dass viele Bälle im Spiel sind und möglichst jedes Kind über einen Eigenen verfügt. Nur durch zahlreiche Ballkontakte lernen die Kinder den Umgang mit dem Ball und die wichtigen Basics des Spiels. Die in diesem Heft aufgeführten Chaos- Spielformen orientieren sich an den erwähnten Bedürfnissen und versuchen durch ein zusätzlich initiiertes Chaos, den aktuellen Diskussionen und Ideen des modernen Fussballs gerecht zu werden.

Die Spielformen wurden jeweils so aufgebaut, dass sie einfach zu erklären und zu spielen sind. Damit wird eine totale Überforderung verhindert. Die Chaos Spielformen garantieren deshalb folgende Lerngelegenheiten:

Lerngelegenheiten der Chaos Spielformen

Wie intensiv soll mit den Chaosspielformen gearbeitet?

Wie immer im Kinderfussball sollte der Schwerpunkt nicht zu stark auf einem Bereich liegen. Chaosspielformen können beispielsweise einmal pro Woche durchgeführt werden und sollen auf alle Fälle regelmässig ins Training integriert werden. Wenn ich nur zwei Mal pro Saison darauf zurückgreife, dann wird kaum ein Fortschritt erkennbar sein. Wichtig ist es auch, dass der Schwerpunkt bei solchen Spielformen nicht primär auf der technischen Ausführung liegt. Die Kinder sollen lernen, mit den verschiedenen Reizen umzugehen und diese möglichst schnell zu verarbeiten. Dies ist viel wichtiger, als wenn eine 1:1 Situation oder eine Passannahme technisch richtig ausgeführt wird.
Mit der Zeit gewinnen natürlich auch die technischen Anforderungen an Bedeutung aber gerade zu Beginn sollten die Kinder erstmals Erfahrungen damit sammeln. Durch die unterschiedlichen 1 gegen 1 Situationen auf kleinem Raum werden den Kindern sowieso zahlreiche Ballkontakte und Aktionen garantiert. Weiter werden die Kinder durch die verschiedenen Spielrichtungen kognitiv extrem gefordert. Insgesamt also eine einfache und schnell zu erklärende Spielform, welche die Kinder ganzheitlich und spielnah fördert.

Unsere eBook Empfehlung zur Thematik der Chaos Spielformen

Wenn dich das Thema interessiert und Du ebenfalls die Wichtigkeit der kognitiven Funktionen und der Ballbeherrschung sowie Entscheidungsfindung unter Druck siehst, dann können wir Dir ein kostengünstiges eBook für den Einstieg ins Thema empfehlen. Insgesamt werden 12 Chaos Spielformen dargestellt und erklärt. Wir wünschen viel Spass und teilt gerne Eure Gedanken und Ideen in der Kommentarspalte mit uns!

Um zum eBook zu gelangen, auf das Bild oder den unterstehenden Link klicken!

eBook Chaosspielformen

https://www.xinxii.com/sport-fitness-469/fussball-486/chaos-spielformen-503199

Über die Konzentrationsfähigkeit von Kindern

Konzentration ist die Fähigkeit, die gesamte Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten. Kinder müssen diese Fähigkeit erst noch ausbilden. Untersuchungen haben folgende Konzentrationszeiten bei Kinder festgestellt.

AlterDauer der Konzentration im Durchschnitt
5 bis 7 JahreBis 15 Minuten
7 bis 10 JahreBis 20 Minuten
10 bis 12 JahreBis 25 Minuten
12 bis 16 JahreEtwa 30 Minuten

Nach Stumpenhorst gibt es verschiedene Ablenkungsarten, die Kinder daran hindern, sich auf etwas zu konzentrieren. Dazu zählen:

  • Visuelle Ablenkungen
    • Zum Beispiel der Fernseher, andere Kinder, ein Flugzeug
  • Akustische Ablenkungen
    • Musik, Lärm von Verkehr, Helikopter-Eltern oder Playstation-Trainer
  • Innere Ablenkungen
    • Unangenehme Gefühle und Gedanken

Die Konzentrationsfähigkeit von verschiedenen Faktoren ab. Folgende Bereiche haben Einfluss auf die Konzentration:

  • Die Sache selbst
    • Ist die Sache für mich interessant oder langweilt sie mich?
  • Von der aktuellen Stimmung
    • Fühle ich mich heute wohl, bin ich zufrieden/gestresst oder hatte ich gerade mit jemandem einen Streit?
  • Vom Können
    • Bin ich der Sache gewachsen, über- oder unterfordert sie mich?
  • Von der Umgebung
    • Was passiert gerade ausserhalb meiner Aufgabe? Ist das viel interessanter?

Wollen wir, dass die Kindern konzentriert bei der Sache sind und so ihre fussballerische Lernleistung erhöhen, sollten wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten die Konzentrationsfähigkeit der Kinder positiv zu beeinflussen. Die, natürlich nicht abgeschlossene, Liste unserer Massnahmen sieht folgendermassen aus:

  • Kurze Ansprachen und Unterbrechungen
  • Fokus auf kindsgerechte Inhalte (hierzu Leitsatz der Spielentwicklung gemäss SFV, wird unten weiter ausgeführt)
  • Fokus auf kindsgerechte Vermittlungsformen (spielen vor üben, wenig Coaching bzw. Kinder entdecken lassen, usw.)
  • Auswahl von Vermittlungsformen, bei denen alle Kinder in Bewegung sind (kein Warten in skilift-ähnlichen Kolonnen)
  • Inszenierung der Inhalte (Kinder verstehen und lernen besser durch Bilder)
  • Fähigkeitsangepasste Aufgaben (nicht zu einfach, nicht zu schwierig)
    • Dieser Punkt umzusetzen ist in einem Mannschaftstraining nicht ganz einfach. Wir empfehlen dabei Spielformen, bei denen das individuelle Niveau keine tragende Rolle spielt.
  • Unwichtige Ablenkungsquellen minimieren (speziell in Hallentrainings, aber auch sonst)
  • Umweltreize vermindern
  • Bewusst machen (,,Jetzt wollen wir uns auf das konzentrieren’’ oder Rituale)
  • Eine offene Lernsituation schaffen (damit wird die kindliche Neugierde geweckt)
  • weitere

Stumpenhorst sagt, dass der eigentliche Lernprozess in der Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit darin besteht, das aktive und bewusste Ausschalten der vielfältigen Umweltreize zu lernen. Deshalb müssen wir unsere Trainings so einrichten, dass dies den Kindern ermöglicht wird und sie das ,,sich konzentrieren’’, auf eine kindsgerechte Art und Weise, lernen können. Der zweite positive Effekt dieser Massnahmen ist, dass die Kinder bei uns im Training ,bei der Sache sind’. Und das wollen wir ja alle 😉

Natürlich sind nicht alle Massnahmen in allen Trainingsabschnitten bzw. allen Trainings ständig gleichzeitig umsetzbar. Doch glauben wir daran, dass Trainings besser werden, wenn man sich diese Punkte a) generell immer wieder bewusst macht und b) versucht, möglichst viele dieser Punkte jeweils in ein Training zu integrieren. Gibt es für Dich weitere Massnahmen, die wir noch nicht aufgelistet haben? Dann hinterlass gerne einen Kommentar, dann können wir alle davon profitieren!

Im letzten Abschnitt dieses Monatsthema wollen wir gemäss dem ,,Leitsatz der Spielentwicklung des SFV’’ Umsetzungsmöglichkeiten vorschlagen, die die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen. Der ,,Leitsatz der Spielentwicklung des SFV’’ empfiehlt die Umsetzung von altersgerechten Inhalten, sprich: Von ,,Ich und der Ball’’ über ,,Ich und Du und der Ball’’ zu ,,Wir und der Ball’’. Exemplarisch zu jeder Stufe eine Umsetzungsmöglichkeit mit Berücksichtigung der oben vorgeschlagenen Massnahmen:

,,Ich und der Ball’’ -> 1vs1 Mania

,,Ich und Du und der Ball’’  -> 1vs1 mit Joker

,,Wir und der Ball’’ -> 3vs1 Angriffswelle 

Quellen:

Hausaufgaben in der Zeit ohne Fussballtrainings

Zurzeit stehen wir alle am gleichen Punkt: Aufgrund des Corona- Virus fallen Trainings sowie Spiele aus und bis auf Weiteres ist keine Besserung in Sicht. Aus diesem Grund widmen wir uns in diesem Monatsthema der Möglichkeit, den Kindern “Hausaufgaben” zu geben. Diese sollten nicht unbedingt als verpflichtend gelten, sondern mehr als Empfehlung, was während der Zeit ohne Schule und Trainings sinnvolles gemacht werden kann. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die Kinder die Aufträge grundsätzlich sehr schätzen, da sie ihren geliebten Fussball vermissen und gerne etwas zuhause üben.

Grundsätzliches

Primär muss sich überlegt werden, was die Kinder überhaupt zuhause machen können. Dabei kann man nicht davon ausgehen, dass jedes Kind einen grossen Garten und ein fussballbegeistertes Geschwister hat. Die Übungen müssen deshalb auf kleinstem Raum und selbständig durchgeführt werden. Zudem ist es wichtig, dass der Grossteil der Übungen auch zuhause im Wohnzimmer durchgeführt werden könnte. Folgend listen wir Euch ein Beispiel auf und bieten vorgefertigte Übungen kostenlos zum Download an.

Erklärung der Übungen

Die Übungen haben wir für drei Schwierigkeitsstufen konzipiert. Somit können sie für praktisch alle Kinder in der Mannschaft genutzt werden und müssen nicht weiter ausdifferenziert werden. Die Kinder entscheiden also selbständig, welche Schwierigkeitsstufe sie bearbeiten möchten. Möglich wäre es selbstverständlich auch, dass sich die Kinder von “einfach” zu “schwierig” hocharbeiten. Weiter wurden die Blätter so aufgebaut, dass die Kinder ihre Übungszeit und den Rekord eintragen können. Dies soll nicht zur Kontrolle dienen, sondern die Übungszeit der Kinder würdigen. Möglich wäre es, dass die Mädchen und Jungs die Blätter wieder dem Trainerteam aushändigen, was aber nicht zwingend nötig ist. Unter der Rubrik “Übungen” stellen wir Euch jede Woche 3-4 Übungen kostenlos zur Verfügung. Diese könnt Ihr den Kindern direkt weiterleiten 🙂 Wir freuen uns über Feedbacks und überdenken gewisse Dinge auf Anregung gerne neu!

Ferien- Challenge

Wenn man die aktuelle Situation weiterdenkt und sich überlegt, was man daraus positives mitnehmen kann, so lässt sich die Idee mit den Hausaufgaben super weiterentwickeln. Jedes Fussballjahr wird von den Schulferien mehrere Male unterbrochen. Obwohl es gerade in dieser Zeit wichtig ist, dass die Kinder auch andere Aktivitäten verfolgen, so kann mit den Hausaufgaben eine sogenannte “Ferien-Challenge” organisieren. Dies könnte folgendermassen aussehen:

Die Kinder erhalten vom Trainerteam ein Blatt, auf welchem die Aufgabe erklärt wird. Zusätzlich lassen sich darauf die Versuche oder Rekorde notieren. Beim ersten Training nach den Ferien können die Kinder die Blätter mitnehmen und vergleichen. Das ganze sollte aber nicht unbedingt als Wettbewerb gegen die Mitspielerinnen und Mitspieler angesehen werden, sondern sollen sie unter Anleitung des Aufgabenblattes motiviert und freudvoll eine gewisse Technik erlernen. Zweifelsfrei werden die meisten Kinder extrem motiviert und mit grossem Durchhaltevermögen üben. Da es aber immer ein paar Kinder gibt, die das nicht so gerne haben, besteht die Möglichkeit, die Aufgaben auf freiwilliger Basis zu initiieren.

Dieses Thema werden wir in einem zukünftigen Monatsthema sicherlich weiterdenken und mit Beispielsaufgaben versehen! Nun empfehlen wir Di, den Newsletter zu abonnieren, damit du die nächsten Hausaufgaben-Blätter nicht verpasst.

Hast Du unsere Übungen benutzt? Dann schreib uns doch eine Rückmeldung in die Kommentarspalte 🙂

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Individuelle Förderung im Kinderfussball

Die individuelle Förderung gilt in der Arbeit mit Kindern als etwas ganz entscheidendes, da jedes Kind unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. In den letzten Jahren wird dieses Thema vor allem im schulischen Kontext extrem diskutiert und versucht umzusetzen. Die optimale Umsetzung scheitert allerdings oft und vor allem an den zeitlichen Ressourcen, da eine individuelle Förderung bei über 20 Schülerinnen und Schülern extrem aufwändig ist. Im Kinderfussball wird dieser Thematik- aus unserer Sicht- noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies obwohl wir im Vergleich zur Schule über weniger Kinder verfügen und das grosse Gegenargument des zeitlichen Aufwandes so nicht gelten lassen können. Dieser Beitrag setzt es sich nicht zum Ziel, die meist wirklich guten Ausbildungskonzepte der Verbände zu hinterfragen, sondern vielmehr die Einstellung und das Bewusstsein für individuelles Fördern zu erhöhen. Nachfolgend werden deshalb einfache Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Kinder individuell noch besser gefördert werden können.

Achtung: Wichtig ist es, den Kindern die nötigen Freiräume für ihre Kreativität zu geben. Individuelles Fördern soll lediglich als Hilfestellung dienen. Die Lösungen und die Umsetzung darf nicht nur fremdgesteuert werden, sondern soll den Kindern als Rahmen für eigenständiges Ausprobieren dienen.

Grundsätzliches zur Diagnose

Um die Kinder individuell Fördern zu können, müssen wir in erster Linie überhaupt wissen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen. In der Wissenschaft und in Fachzeitschriften wird dies Diagnose genannt. Die Diagnose zeigt sich als am Schwierigsten, da wir Ausbildner im Kinderfussball meist ehrenamtlich tätig sind. Dies bedeutet, dass wir uns nicht tagtäglich mit unseren Kindern auseinandersetzen können, da Beruf, Familie, Hobbys etc. ebenfalls einen grossen Teil unseres Lebens einnehmen. Folgerichtig müssen wir die Entwicklungsstände unserer Kinder festhalten. Nur so wissen wir, wo sie sich gerade befinden und was sie in dieser Phase brauchen.

Entwicklungsheft

Im Entwicklungsheft können Beobachtungen und Folgerungen (Ziele bzw. Coachingpunkte) festgehalten werden. So kann man die Entwicklung des Kindes und die aktuellen Schwächen ausfindig machen. Durch das Notieren der Folgerungen können zukünftige Tätigkeiten der Ausbildner niedergeschrieben werden. Beispielsweise wäre die Beobachtung: “Kind fühlt sich in der Mannschaft nicht wohl.” Als Folgerung notieren die Ausbildner: “Gespräche innerhalb der Mannschaft und einzeln mit dem Kind sowie Übungen mit Teambuilding Elementen verbinden.”
In welcher Form das Entwicklungsheft geführt wird, soll das Ausbildnerteam selbst entscheiden. Unter dem Strich ist es primär wichtig, dass der Zeitaufwand für alle beteiligten Personen im Rahmen bleibt. Deshalb also lieber kürzer und nicht zu umfangreich als zu umfangreich gestaltet und aufgrund von zeitlichen Ressourcen irgendwann nicht mehr durchführbar.
Ein Beispiel führ ein Entwicklungsheft zeigen wir bei uns im Donwloadbereich. Dazu einfach den untenstehende Link anklicken.
https://kinderfussball-blog.ch/uebungen/

Individuelle Ziele

Die getätigten Beobachtungen zeigen auf, wo die Kinder noch Schwierigkeiten haben. Eine Möglichkeit wäre es, vereinzelt Wochen-, Monats- oder Turnierziele auf einen Zettel zu notieren. Diesen dann einzeln den Kindern geben und sie regelmässig die Ziele selbst überprüfen zu lassen. Ein Ziel könnte beispielsweise sein: “Ich brauche meinen linken und rechten Fuss”. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Kinder voll darauf abfahren und es toll finden, wenn sie ihre Ziele erreichen können. Wichtig ist es, dass die Ziele nicht zu kompliziert sind und meist nach einigen Trainings oder Wochen erreicht werden können. Nur so steigert sich die Motivation und die Freude an der Arbeit mit Zielen. Die Möglichkeit darf allerdings nur vereinzelt genutzt werden, da sich die Kinder ansonsten nur noch auf die Erfüllung der Ziele konzentrieren. Schlussendlich sollen sie aber die Freude und Unbekümmertheit am Fussball auf keinen Fall verlieren!

Individuelle Schwerpunkte

Übungen sind ebenfalls ausgezeichnete Anlässe um individuell zu fördern. So sollen die Kinder angeregt werden, in technischen Übungen alles in ihrem schnellstmöglichen aber noch sicheren Tempo durchzuführen. Ausserdem können beispielsweise zwei Finten oder Wendungen ausgewählt werden. Eine für die Einsteiger und eine für die Fortgeschrittenen. Dies muss man natürlich nicht offen kommunizieren, aber die Kinder sollen ihre Schwierigkeitsstufe selbst wählen. Sätze wie “Wer sich schon sehr sicher fühlt, kann mal folgendes ausprobieren…” helfen dabei. Ausserdem wissen die Kinder durch das Benutzen der Ziele, was sie aktuell noch verbessern wollen/sollen. Auch dadurch kriegen sie ein Verständnis für ihre individuellen Schwerpunkte.

Gespräche und individuelle Rückmeldungen

Gespräche mit den Kindern sind wie das ABC in der deutschen Sprache. Sie können entweder auf dem Weg zum Platz oder nach dem Training geschehen. Sehr sinnvoll sind ausserdem kurze Gespräche während Übungen oder Spielen. Dann bietet es sich an, die Kinder kurz zu sich zu holen und ihn aufzufordern, etwas zu verändern. Als Beispielssatz könnte folgendes dienen: “Fritz, versuche Mal mit vollem Tempo und ganz mutig auf den Gegner zu dribbeln. Du kannst das!”. Die Kinder werden dies natürlich sofort und mit vollem Eifer versuchen umzusetzen. Die Ausbildner können die folgenden Aktionen des Kindes beobachten und das Verhalten durch Lob verstärken. Ausserdem können so während dem Training regelmässig kurz Kinder zu den Ausbildner geholt und mit individuellen Schwerpunkten oder Aufgaben wieder ins Spiel geschickt werden. Sehr zu empfehlen sind kurze Gespräche bei der Verabschiedung der Kinder. Diese sollen aber zwingend positiv formuliert werden, damit das Kind mit einem guten Gefühl nach Hause geht. Zudem bleiben diese Sätze meist im Gedächtnis, so dass sie auf der Heimfahrt direkt dem Papa oder der Mama erzählt werden. Als Beispielssatz gilt folgender: “Max, ich fand es super, wie du dich heute verhalten hast. Selbst als du Mal ein paar Fehler gemacht hast, hast du nicht aufgeben und weitergespielt. Das war echt toll!”

Üben in Gruppen

Sollte ein Kind beispielsweise noch Mühe mit der Ballan- und mitnahme haben, so macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, ihn in einer Passübung in einer Gruppe mit den Stärksten der Mannschaft zu haben. Das Kind gerät unter Druck und verliert an Selbstvertrauen, wenn die Übung wegen ihm nicht funktioniert. Lieber teilt man die Gruppen und versucht mit den Kindern, welche in etwa die gleichen Defizite haben, diese aufzuarbeiten. Die Passschärfe dürfte somit niedriger sein und das Annehmen des Balles auch einfacher. Zudem können die Leistungsstärkeren in ihrer Gruppe wiederum individueller gefördert werden, in dem sie auf ihrem Niveau am technischen Element arbeiten. Dasselbe gilt auch für Kinder, welche wenig Selbstvertrauen haben. Üben sie mit etwa Gleichstarken, so kommen sie zu deutlich mehr Erfolgserlebnissen. Treffen sie in einer 1 gegen 1 Übung immer wieder auf die stärksten der Mannschaft, so haben sie keine realistische Chance auf Erfolgserlebnisse. Auch die leistungsstärkeren Kinder profitieren von Duellen gegen Gleichstarke, da sie gefordert werden.
Auch hier ist es wieder wichtig, dass die Gruppe nicht in jeder Übung geteilt wird. Dies würde den Kindern klar aufzeigen, wer die besseren und schlechteren innerhalb der Mannschaft sind. Vereinzeltes Teilen der Gruppen erachten wir aber als sehr sinnvoll.

Individuelle Förderung im Spiel

Habe ich beispielsweise ein Kind, das schon viel mitbringt, allerdings nur mit einem Fuss spielt, so kann ich das im Spiel beeinflussen. Als Provokation dient die Falsch-Fuss-Taktik. Ein Kind, welches bevorzugt mit dem rechten Fuss spielt, kann vermehrt auf der linken Seite zum Einsatz kommen. Mit der transparenten Begründung durch die Ausbildner lernt er automatisch, den linken Fuss mehr zu brauchen. Dasselbe gilt für Kinder, alle möglichen Defizite. Das Ausbilderteam muss sich überlegen, auf welcher Position das Kind provoziert wird, das eigene Verhalten zu überdenken. Auch hier gilt allerdings, dies nicht zu oft durchzuführen denn ansonsten können die Kinder bei regelmässigem Misserfolg auch die Freude am Spiel oder an der Position verlieren.

Habt ihr noch weitere Ideen zur individuellen Förderung? Lasst es uns in der Kommentarfunktion wissen 🙂

Schulung der Orientierungsfähigkeit

Mit der Schulung der Orientierungsfähigkeit befindet man sich im Koordinationstraining. Die Koordination ist die absolute Basis sportlicher Technik sowie der konditionellen Faktoren. Sie setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Reaktionsfähigkeit
  • Gleichgewichtsfähigkeit
  • Differenzierungsfähigkeit
  • Orientierungsfähigkeit
  • Kopplungsfähigkeit
  • Rhythmisierungsfähigkeit
  • Umstellungsfähigkeit

Nach Hirtz wird die Räumliche Orientierungsfähigkeit definiert als ,,Fähigkeit zur zieladäquaten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld oder ein sich bewegendes Objekt.’’

Betrachtet man dieses Zitat, wird einem die Notwendigkeit der Schulung der Orientierungsfähigkeit im Fussball sofort bewusst. Vielen Ausbildnern und Ausbildnerinnen wird das aber wahrscheinlich ohnehin schon klar gewesen sein. Zu oft gibt es die Situation, wo sich ein Kind vorne rechts im Sturm versucht, während es eigentlich in diesem Moment als linker Verteidiger eingeteilt ist. Und dies liegt nicht nur daran, dass Kinder oft lieber vorne spielen, sondern auch an der noch fehlenden Fähigkeit, sich auf dem Feld zu orientieren. 

Die Orientierungsfähigkeit ist abhängig von der bereits gemachten Erfahrung in einer Sportart. Ein erfahrener Fussballer wird Lücken in der gegnerischen Abwehr schneller erkennen, als ein Anfänger. Und anders gesagt: Bei völliger Dunkelheit findet man sich in der eigenen Wohnung besser zurecht als ein Fremder. Daraus ergibt sich ein weiteres Argument, möglichst spielnah zu trainieren. Neben freien Spielen kommen da zum Beispiel auch Rondos in Frage. Zudem bietet sich an, mit den Kindern zu thematisieren, wie wichtig die Kommunikation im Fussball ist. Denn für den oder die Ballführende ist es viel einfacher sich zu orientieren, wenn sich die Mitspieler akustisch bemerkbar machen. Daran sieht man, dass neben der Kognition auch die Akustik eine wichtige Rolle spielt. Habt Ihr schon einmal ein Spiel mit Euren Kindern gemacht, wo Ihr jegliche Kommunikation verboten habt? 

Folgende zwei Übungen sollen als Beispiele gelten, die Orientierungsfähigkeit mit einem kognitiven Fokus zu trainieren:

Mattenlandschaft

Doppel – Spiel

Eine weitere Übung von uns hierzu findet man auf Instagram.

Eine andere Möglichkeit, den Orientierungssinn zu schärfen, sind Übungen mit taktilen sowie akustischen Anforderungen (bzw. wo der Sehsinn nicht alles selbst erledigen kann). Ein Beispiel hierzu ist folgenden Übung:

Alleskönner

Wir wünschen Euch viel Spass und Erfolg mit dem Thema dieses Monats und sind über Rückmeldungen Eurer Umsetzung gespannt! 🙂

Hirtz, P. (1997). Koordinative Fähigkeiten. In G. Schnabel, D. Harre & A. Borde (Hrsg.), Trainingswissenschaft (S. 14–122). Berlin: Sportverlag.

www.soccerdrills.de 

www.mobilesports.ch 

Bild: www.zezegrafie.de

Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.2

Erlebnis vor Ergebnis

Im August 2017 lancierte der SFV die Kampagne “Erlebnis vor Ergebnis” um Erwachsene für die Ziele des Kinderfussball zu sensibilisieren. Konkret wird gefordert, keine kleinen Erwachsenen sondern eigenständige und begabte Kinder auszubilden sowie den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Dafür gilt die Botschaft, dass der Spass wichtiger ist als die erzielten Ergebnisse. Der grosse Erfolg der Kampagne führte unter anderem sogar dazu, dass Swiss Olympics Material für alle Sportarten zur Verfügung stellte. Die Aussagen dieser Kampagne lauten:  «Es ist ein Spiel», «Wir sind Kinder», «Der Schiedsrichter ist auch ein Mensch», «Es ist keine WM» und «Unsere Trainer sind Ehrenamtliche».

Gründe für die Kampagne

Schon beim Spiel der Bambinis feuern Väter, Mütter, Trainer und Grosseltern die kleinsten gleichzeitig dazu an, endlich mal zu passen, zu schiessen oder auf Zeit zu spielen. Auch wenn sich das natürlich etwas übertrieben liest, so liegt doch ziemlich viel Wahrheit dahinter. Oft wird schon bei den Kleinsten intensiv gecoachet, damit schlussendlich das Spiel gewonnen wird. Doch worum geht es im Kinderfussball wirklich? Siege und Pokale sind sicherlich schön, wichtig ist aber die nachhaltige Ausbildung, damit die Kinder auch später mit Freude und Motivation Fussball spielen. Falscher Ehrgeiz durch Erwachsene kann diese Freude natürlich hemmen. Um sie deshalb zu sensibilisieren gilt ab sofort Erlebnis vor Ergebnis!

Umsetzung

Die Rahmenbedingungen der Kampagne zielen auf das Priorisieren von Freude im Gegensatz zur Fokussierung auf Resultate ab. Bewusst steht das Ergebnis nicht im Vordergrund, denn für eine gute fussballerische Ausbildung benötigen die Kinder in erster Linie intrinsische Motivation und Freude an der Sportart. So sollen alle- unabhängig vom Talent- die gleiche Anzahl an Spielminuten erhalten. Ebenfalls sollen die Positionen regelmässig gewechselt werden, damit alle Kinder die Möglichkeit haben, auf unterschiedlichen Positionen zu agieren. Auch wenn nicht jeder Profi werden kann und will, so gilt der Fussball als grösster Einstieg ins Sportlerleben. Das Ziel muss es deshalb sein, lebenslange Sportler und begeisterte Fussballerinnen und Fussballer zu entwickeln. Dafür soll im Kinderfussball auf Ranglisten und Tabellen grösstenteils verzichtet werden. Dies führt lediglich zum Priorisieren von Ergebnissen statt auf das Vermitteln von Freude. Damit einhergehend sollen die Trainerinnen und Trainer keine zu intensiven Anweisungen geben, sondern ruhig und beobachtend coachen. Speziell richtet sich “Erlebnis vor Ergebnis” auch an die Eltern am Spielfeldrand. Zwischen ihnen und den Kindern soll eine gesunde Distanz geschaffen werden, damit die Knaben und Mädchen in Ruhe spielen können. Wichtig zu erwähnen ist es aber, dass die Kampagne von den Kindern nicht verlangt, dass sie nicht gerne gewinnen! Lediglich die äusseren Einflüsse sollen etwas reduziert werden, damit eben auch der Spass nicht zu kurz kommt.

Massnahmen

Die Blachen lassen sich gut an Gittern befestigen und sollen alle beteiligten Personen an die Wichtigkeit des Spasses erinnern.

Die Pylonen mit der Aufschrift “Zuschauerzone” und “Erlebnis vor Ergebnis” sollen zur Kennzeichnung der Zuschauerzone benutzt werden. Damit wird verhindert, dass Eltern zu nahe am Feld stehen und die Kinder zu intensiv coachen. Die Distanz zu den Eltern wirkt für die Kinder erfahrungsgemäss angenehm und lässt sie frei und kreativ spielen.

Zusätzlich können Flyer beim SFV bestellt werden. Sie richten sich entweder an die Kinder, die Trainer oder an die Zuschauer und bewirken in schwierigen Situationen Wunder.

Neben den bereits erwähnten Massnahmen können kurze und klare Videos auf der Internetseite des SFV abgespielt werden. Diese können beispielsweise an Elternabenden oder während den Turnieren abgespielt werden. So werden sowohl die Eltern, als auch die Kinder oder Trainer für das Thema sensibilisiert. Die Erklärvideos können hier aufgerufen werden.

Wie kann ich vom Angebot profitieren?

Um die aufgeführten Produkte zu bestellen, einfach hier klicken. In der Schweiz beheimatete Vereine bezahlen für das Komplettpaket lediglich die Portokosten von 30 CHF.

Auch für deutsche Vereine gibt es eine interessante Kampagne vom Berliner Fussball-Verband. In drei Videos möchten die Kinder aggressive Eltern dazu animieren, sie in Ruhe Fussball spielen zu lassen. Um zu den Videos zu gelangen, hier klicken.

Was meint das Kinderfussball-blog Team dazu?

Selbstverständlich sind freudvolle und motivierende Eltern überhaupt kein Problem und gehören- genau so wie der Ball- zum Fussball. Trotzdem gibt es leider zu oft übermotivierte Eltern, welche speziell ihr Kind oder auch das Team von der Seitenlinie coachen oder sogar zurechtweisen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass dies für die Kinder keine schöne Situation ist. Meist leiden sie auch unter dem Druck oder den Erwartungen solcher Eltern. Entschuldigende Blicke nach draussen oder eine komplette Motivationslosigkeit konnten wir daher schon einige Male beobachten. Die Sensibilisierung gegenüber den Zuschauern oder den Trainern empfinden wir deshalb als sehr wichtig. Auch hier ist natürlich immer die Frage, wie man dies kommunikativ handhabt. Die grosse Arbeit der Eltern mit Fahrdienst, Organisation etc. darf auf keinen Fall durch zu forsches Verhalten nicht wertgeschätzt werden. Gerade aber bei einem Elternabend vor der Saison kann ruhig auf die Thematik eingegangen werden. Die Videos vom SFV eignen sich dafür super. Auch die Blachen erinnern die Zuschauer immer wieder daran, worum es eigentlich gehen sollte. Die Kinder sollen die Freude am Fussball und am Sporttreiben entdecken und sich von Niederlagen und Fehlern nicht demotivieren lassen. Wir selbst praktizieren zahlreiche Empfehlungen der Kampagne “Erlebnis vor Ergebnis” und haben deshalb nur positive Erfahrungen gemacht. Aber ganz wichtig… Geht nicht zu forsch auf die Eltern zu, sondern versucht sie ins Boot zu holen. Gelingt dies, so stimmen die äusserlichen Voraussetzungen für freudvollen Kinderfussball.

https://www.football.ch/sfv/kinder-und-schulfussball/erlebnis-vor-ergebnis.aspx

Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.1

Play more football

Das Projekt “play more football” steht für die Einführung einer neuen Spielform auf der Stufe des Kinderfussballs (speziell E-Junioren). Gekennzeichnet wird es durch die Mischung aus Klein- sowie Grossfeldspielen (vgl. Monatsthema Funino). Der SFV möchte damit die positiven Aspekte beider Spielformen aufgreifen und in die Ausbildung der Kinder integrieren. An der nationalen Trainertagung vom Bundesamt für Sport Schweiz stiess die Idee auf offene Ohren und wurde sogar mit dem Swiss Olympic Science Award ausgezeichnet.

Wieso das bisherige überhaupt ändern?

Das oberste Ziel der Trainerinnen und Trainer ist die bestmögliche Förderung der Kinder, doch dazu braucht es ein stetiges Reflektieren. Die Tatsache, dass im 7:7 die Anzahl Ballkontakte und die Aktionen der Kinder im Vergleich zu den kleinen Spielen abnehmen, wird seit längerer Zeit wild diskutiert. Da es aber sowohl für kleine Spiele als auch für grössere Spiele (wie 7:7) sichtbare Vor- und Nachteile gibt, hat sich der SFV für eine Mischung der beiden Spielformen entschieden. So können die Kinder einerseits vom grösseren Feld und anderseits von einer höheren Quantität an Ballkontakten und Aktionen profitieren.

Wie funktioniert “play more football”?

Statt sich wie bisher auf nur eine Spielform zu konzentrieren, steht “play more football” für die Kombination aus Beidem. Ein typischer Turniermorgen soll deshalb so aussehen:

  • Zuerst 3x 10 Minuten Kleinfeldfussball (4 gegen 4 ohne Torspieler)
  • Anschliessend 3x 15 Minuten Grossfeldfussball (7 gegen 7 mit Torspieler)

In beiden Formen spielen jeweils alle Mannschaften gegeneinander. Dies hat eine Auswirkung auf die Anzahl Ballkontakte, Sprints, Torabschlüsse, erlebte Spielsituationen und nicht zuletzt auf die Verbesserung der taktischen Fähigkeiten. Damit sind allerdings keine einstudierten Angrifs-Auslösungen, sondern das Umschaltverhalten offensiv-defensiv sowie das Schaffen von Tiefe und Breite gemeint. Idealerweise lassen sich die vier kleinen Felder in kurzer Zeit in zwei Grossfelder umwandeln. Neben der besseren fussballerischen Förderung steht also keine enormer Zuwachs an organisatorischen Arbeiten an.

Abbildung 1: SFV

Stärken und Gründe für die Umsetzung

In einer Studie vom SFV und der Hochschule Magglingen verglich das Team um Projektleiterin Mirjam Hintermann das Verhalten von 323 Spielerinnen und Spieler in der aktuellen sowie in der neuen kombinierten Spielform. Abbildung 2 zeigt für die kombinierte Spielform folgende Stärken:

  • 62% mehr Spielaktionen
  • Deutlich mehr erfolgreiche und nichterfolgreiche Aktionen
  • Fast doppelt so viele Ballannahmen pro Minute
  • Doppelt so viele Abschlussversuche pro Minute
Abbildung 2: Hintermann et Al.

Wo finde ich zusätzliche Infos zum Projekt?

Wie üblich, stellt der SFV vorgefertigte Spielpläne und weitere Informationen auf ihrer Homepage zum Download an. Dazu einfach hier klicken.

Was meint das Kinderfussball-blog Team dazu?

Um die Kinder bestmöglich zu fördern, brauchen sie zwingend Aktionen und Lernmöglichkeiten. Aus unserer Sicht soll sich dieser Ausbildungsgedanke während dem Wechsel von den F- zu den E- Junioren auf keinen Fall verändern. Die Kinder müssen weiterhin die Möglichkeit haben, entdeckend zu lernen und brauchen für ihre Entwicklung vor allem positive und negative Erfahrungen. Gleichzeitig sollen sie aber einen Schritt näher an das 11 gegen 11 herangeführt werden, weshalb es Sinn machen würde, die Spieleranzahl zu erhöhen. Diese Vor- und Nachteile waren auch bei uns oftmals Zündstoff für interessante Diskussionen und die neue Wettbewerbsform “play more football” scheint dafür nun eine sehr gute und einfach umsetzbare Lösung zu sein. Dafür sprechen auch die Resultate der durchgeführten Studie beziehungsweise die gesteigerte Quantität der erfolgreichen und nichterfolgreichen Spielaktionen. Aus den genannten Gründen empfehlen wir die kombinierte Spielform wärmstens und hoffen, dass bereits jetzt zahlreiche Vereine eigenständige Turniere in diesem Modus veranstalten. In etlichen Diskussionen mit Trainerinnen und Trainer stellten wir allerdings auch das grosse Problem einer solchen Neuerung fest: Die Erwachsenen! Für uns Erwachsene steht der Fussball für wöchentliche Spiele gegen andere Gegner, Tabellen, zwei Tore sowie Stamm- und Ersatzspieler. Dieses Denken muss aber schleunigst geändert werden, denn im Zentrum stehen die Kinder und diese haben selten ein Problem, wenn sie mehr und intensiver zum Spielen kommen 🙂
Für eine bessere Ausbildung lohnt es sich deshalb, dem Projekt eine Chance zu geben und bereits vor der verpflichtenden Einführung damit zu starten.

Was denkt Ihr darüber? Diskutiert fleissig mit! 🙂

Quellen:

SFV: https://www.football.ch/sfv/kinder-und-schulfussball/play-more-football/projekt.aspx

Hintermann, Mirjam; Fuchslocher, Jörg; Kern, Raphael; Born, Dennis-Peter und Romann, Michael: play more football [https://www.swissolympic.ch/dam/jcr:73232a94-755c-4c2c-827d-950c9c784dfc/Book%20of%20Posters2019.pdf, 31.12.2019]

Das Kinderfussball Konzept des schweizerischen Fussballverbands

Die kleine Schweiz hat sich seit dem Jahr 2006 für alle vier möglichen Weltmeisterschaften und seit 2004 für vier von möglichen fünf Europameisterschaften qualifiziert. Im Vergleich zum direkten Nachbar Österreich, welcher sich im selben Zeitraum für keine Weltmeisterschaft und drei von möglichen fünf Europameisterschaften qualifiziert hat, sind dies ziemlich beeindruckende Werte. Doch was sind die Gründe für die guten Leistungen der kleinen Schweiz? Im folgenden Artikel werden die Philosophie und das Konzept des schweizerischen Fussballverbands (SFV) im Bereich des Kinderfussballs genauer unter die Lupe genommen.


Das Konzept des SFV basiert auf der Haltung, dass jedes Kind eine unterschiedliche und vielfältige Begabung vorweist. Das Ziel des Kinderfussballs ist deshalb, das bestmögliche Ausschöpfen der individuellen Potentiale. Daraus ergibt sich das Modell der “3 L”. Diese stehen für Lachen, Lernen und Leisten. Das Lachen steht dabei bewusst an erster Stelle, da der Lernerfolg ohne positive Emotionen deutlich geringer ausfallen würde. Die Trainerinnen und Trainer sollen sich demnach nach jedem Training oder Spiel die Frage stellen, ob gelacht, gelernt und geleistert wurde.

Lachen, Lernen, Leisten: schweizerischer Fussballverband

Ausbildungsgrundsätze

Der SFV definierte die vier folgenden Ausbildungsgrundsätze als Basis für ein erfolgreiches Training.

  1. Spielerisch
    Damit die Kinder lernen, sollen sie in ihrer Lebenswelt abgeholt werden. Dies bedeutet, sich der kindlichen Sprache und dem Bekannten zu widmen. “Schnell wie ein Flugzeug”, “Mutig wie ein Löwe” oder “Dribbeln im Hütchenwald” inszeniert für die Kinder eine spielerische und lernreiche Übung.
  2. Kindergerecht
    Niemand ist gleich und alle entwickeln sich unterschiedlich. Um das Training an die Bedürfnisse der Kinder anpassen zu können, braucht es Verständnis und Interesse an der kindlichen Entwicklung. Nur so kann ein sinnvolles und kindergerechtes Training angeboten werden. Ausserdem soll durch “Lachen, Lernen, Leisten” ein gutes Lernklima entstehen, damit die Kinder nachhaltig motiviert sind.
  3. Vielseitig
    Kinder sind keine Spezialisten und sollen deshalb nicht so gefördert werden! Sie zeichnen sich stattdessen durch Neuigierde und Kreativität aus. Genau aus diesem Grund soll ein Training vor allem eines sein: Abwechselnd. Ferner benötigen Kinder vielfältige Bewegungserfahrungen um sich motorische Kompetenzen und Erfahrungswissen aufbauen zu können. Ein Training mit Kindern soll deshalb unbedingt auf dem Prinzip der Vielseitigkeit basieren.
  4. Spielsituationsorientiert
    Kinder wollen spielen und das Spiel gilt als der beste “Lehrmeister”. Allerdings soll nicht nur “einfach gespielt werden”, sondern durch Provokationen (enger Raum, rundes Feld, langes/breites Feld) die Entwicklung der Kinder unterstützt werden. Der SFV unterteilt das Spiel in die zwei grundsätzlichen Spielphasen “Wir haben den Ball” und “Der Gegner hat den Ball”. Durch die damit verbundenen Ziele, bspw. “Tore zu erzielen” oder “Tore zu verhindern” ergeben sich Leitplanken, an welchen sich die Ausbildung orientieren muss. Gerade bei den kleinsten Junioren steht das “Tore erzielen” im absoluten Fokus, da dies unter Anderem die grössten lernwirksamen Emotionen freisetzt. Im Laufe der Entwicklung werden auch das Kollektiv (Zusammenspiel etc.) und das Verteidigen (Rückerobern des Balles) wichtiger.
    Der unten dargestellte Spielkompass visualisiert die beiden Spielphasen und die vier Spielsituationen.
Der Spielkompass: schweizerischer Fussballverband, S.11

Trainingsschwerpunkte

  • Fussball spielen lernen
    Die Vermittlung des Fussball-ABC´s gilt als Herzstück des Trainings. Im Kinderfussball geniesst das Ermöglichen von möglichst vielen Ballkontakten einen hohen Stellenwert. Aus diesem Grund wird gefordert, dass jedes Kind im Training über einen eigenen Ball verfügt. Diese anfängliche Stufe wird im Leitsatz der Spielentwicklung als “Ich und der Ball” definiert. Die Kinder sollen mit ihrem Ball möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen machen und sich primär an das Spielobjekt gewöhnen können.
    Auf der zweiten Stufe, “Ich und Du und der Ball” wird der Aufbau des technischen Repertoires und das Ausführen von Übungen zu zweit forciert. Das frühere eigenständige Üben wird nun durch miteinander oder nebeneinander ersetzt.
    Zuletzt, gewinnt das Passen und Zusammenspielen sowie das kooperative Miteinander auf der Stufe “Wir und der Ball” an Bedeutung. Diese Stufe gilt sogleich als “Abschluss” der Spielentwicklung und umfasst die bekannten kleinen Spiele.
    Die nachfolgende Abbildung zeigt die Trainingsthemen und deren Wichtigkeit in der jeweiligen Kategorie (gekennzeichnet durch die Anzahl Punkte).
    Zur Erklärung: die G-Junioren entsprechen der Bambini-Kategorie in Deutschland.
Trainingsthemen und Schwerpunkte: schweizerischer Fussballverband, S.13
  • Vielseitigkeit erleben
    Zwingend sollen in allen Trainings Spiele und Übungen zur Vielseitigkeit enthalten sein. Die Vielseitigkeit wird dabei in drei Kategorien unterteilt: Mutig und stark, rhythmisch und geschickt sowie flink und wendig. Neben den unten abgebildeten Bewegungsgrundformen sollen auch unterschiedliche Sinne angesprochen werden. Diese tragen alle ihren Teil zu einer ganzheitlichen Ausbildung bei und beeinflussen sich gegenseitig. So hat beispielsweise der Gleichgewichtssinn direkte Auswirkung auf die Handlungsschnelligkeit.
Bewegungsgrundformen: schweizerischer Fussballverband, S.8
  • Fussball spielen
    Der Schwerpunkt “Fussball spielen” umfasst das freie und ungezwungene Spiel. In diesem Setting sollen die Kinder mutig neue Dinge ausprobieren und auf keinen Fall durch die Trainer gehemmt werden. Die Trainerinnen und Trainer greifen nur bei grösseren Regelübertretungen oder Spieländerungen ein. Auch Konflikte und Diskussionen sollen von den Kindern möglichst selbständig gelöst werden. Damit möchte der SFV die Entwicklung der Talente und nicht zuletzt auch die Kreativität fördern.

Das Trainingsschema

Neben den bereits genannten Schwerpunkten und Ausbildungsgrundsätzen empfiehlt der SFV das Einhalten des Trainingsschemas. Dieses besteht aus einer Einleitung, welche die Kinder körperlich und gedanklich auf das Training einstimmen soll. Auch hier muss jedes Kind über einen eigenen Ball verfügen und vor allem bei den Kleinsten kann eine interessante Geschichte inszeniert werden. Im Hauptteil werden dann die drei Schwerpunkte umgesetzt, wobei die Reihenfolge keine Rolle spielt. Wichtig ist es, von jedem Schwerpunkt eine Übung oder ein Spiel in die Planung zu integrieren. Der Ausklang gilt als gemeinsames und beruhigendes Ritual, um das Training zu beenden.

Methodischer Fahrplan

Der methodische Fahrplan gilt als Leitlinie für das Training und berücksichtigt die kindliche Entwicklung. Die folgenden drei Stufen werden innerhalb einer Übung nacheinander durchgeführt.

  1. Offen starten
    Der offene Start dient dazu, die Kinder in erster Linie abzuholen und ihnen die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren, zu geben. Zudem sollen sie je nach Interesse auch unbekannte Techniken ausprobieren und entdecken.
  2. Üben
    Im folgenden Teil wir die Aufmerksamkeit klar auf die Qualität einer Technik oder Bewegung gelegt. Die Kinder sollen diese nun durch zahlreiche Wiederholungen ausprobieren und lernen. Dabei stehen ihnen die Trainer mit Hilfestellungen und Korrekturen zur Seite.
  3. Wetteifern
    Nach der intensiven Übungsphase soll die Konzentration durch einen initiierten Wettbewerb aufrecht erhalten werden. Gleichzeitig steigert sich die Intensität, was zum Ende einer Übung eigentlich nicht der Normalität entspricht.

Spielprinzipien

Die Spielprinzipien gelten als notwendige Basisstruktur und dienen zur Erklärung des Spielverhaltens und zur Beratung der Kinder. Sie sollen vor allem während den Turnieren, aber auch während den Trainings im Schwerpunkt “Fussball spielen lernen” und “Fussball spielen” behandelt werden.

Spielordnung
Mit der Spielordnung werden keine taktischen Positionen gemeint, sondern das Vermitteln eines Gefühls für eine sinnvolle Grundordnung. Diese endet meist in einer Dreiecks- oder Rhombendbildung. Gemeint wird dadurch das Freistellen, die Abstände zum Mitspieler sowie die Tatsache, dass nicht alle auf dem gleichen Fleck stehen sollen.

Wechselnde Spielpositionen statt Spezialisierung
Im Kinderfussball soll ganzheitlich ausgebildet werden. Aus diesem Grund müssen die Kinder Perspektivenvielfalt erleben. Damit wird gemeint, in unterschiedlichen Rollen (Torwart, Verteidiger, Stürmer) am Spiel teilzunehmen. Bewusst wird also auf ein zu frühes Festlegen von Positionen verzichtet und auch der später potentielle Torwart soll regelmässig auf anderen Positionen zum Einsatz kommen.

Spielprinzipien: schweizerischer Fussballverband, S.32

Wie geht es nun weiter?

Als erstes Sonderthema veröffentlichen wir im Januar wöchentlich kurze Berichte über die spannendsten Projekte des schweizerischen Fussballverbands. Ob Nachwuchs-Leiter oder Trainer: Es hat für jeden etwas dabei. Vielleicht lassen sich gewisse Dinge ja auch im eigenen Verein direkt umsetzen 🙂 Hinterlasse ein Kommentar und diskutiere mit uns über die Ansätze des SFV!

Quellen:

Kern, Raphael; Papilloud, Jean-Jacques; Furger, Claudia; Mangiarratti, Alessandro und Truffer, Bruno (2015): Kinderfussball – Theorie und Praxis. Bern: Schweizerischer Fussballverband

Passen lernen

Der Flachpass ist eine Grundtechnik des Fussballs, mit der die Kinder im Kinderfussball ein erstes Mal in Kontakt kommen.

Das Thema ,Passen’ ist aus einer sozialen- sowie motorischen Komponente zusammengesetzt. Die soziale Komponente beschreibt des Zusammenspiel der verschiedenen Akteure, die als Verbund mit einem gemeinsamen Ziel interagieren. Bei der motorischen Komponente geht es um die motorische Bewegungsausführung an sich. Im Rahmen dieses Monatsthemas werden wir einen Fokus auf die motorische Komponente legen, werden aber die soziale Komponente nicht ausser Acht lassen wollen.

Unter einer sportlichen Technik versteht man ,,ein Verfahren zur bestmöglichen Lösung einer bestimmten sportlichen Bewegungsaufgabe’’. Die Frage stellt sich nun, wie man diese Passtechnik vermitteln soll. Und ob es nur eine korrekte Passtechnik gibt, oder ob man eher von ,individuellen bestmöglichen Lösungen’ sprechen muss. 

Typischerweise erkennen Ausbildner im Kinderfussball bei ihren Kindern ein Defizit in der Passtechnik und führen deshalb Übungen durch, bei denen die Kinder viel Passen müssen. Dies ist ein guter erster Schritt, denn grundsätzlich gilt im Motoriklernen, dass man durch oftmaliges Wiederholen einer Bewegungsidee diese verbessert.

Der Vorteil eines Drills ist neben der hohen Wiederholungszahl auch die einfache Überprüfbarkeit der motorischen Ausführungen, da sich ein Drill an einem ,Idealbild’ orientiert. So ist es für AusbildnerInnen einfach, Defizite bei Kindern in der Bewegung zu erkennen und zu korrigieren. Oft definieren die Ausbildner ihre Effektivität über die Fortschritte innerhalb eines Trainings. Zudem werden die Kinder in einem Drill nach vielzähligen Pässen diese auch immer besser ausführen. Dadurch erhält man schnell das Gefühl, dass sich die Passqualität verbessert! In der Wissenschaft fragt man sich aber, ob nun wirklich die Passtechnik verbessert wurde oder lediglich die Ausführung der spezifischen Übung (Lee, Magill, & Weeks, 1985).

Denn als Ausbildner sollten wir daran interessiert sein, Übungen durchzuführen, die es den Kindern ermöglichen, das Dazugelernte im Spiel anwenden zu können. Es geht darum, dass ihre Technik im Spiel besser wird. Sobald die Bewegungsidee bekannt- und ein Bewegungsgefühl erlangt ist, eignen sich also Spiele oder spielnahe Übungen besser, da bei diesen Formen sich die Anforderungen an die Technik stets variieren. Deshalb sollte man, meist viel früher als man denkt, zu spielnäheren Übungen übergehen. 

Spielnahe Übungen sind dadurch gekennzeichnet, dass jeder Bewegungsablauf anders ist als der letzte. Durch diese haben Fussballspieler eine grössere neuronale Kapazität und finden so im komplexen Fussballspiel, wo die Anforderungen für einen Pass ebenfalls ständig variieren, schneller die beste motorische Antwort (Davids, Williams, Button & Court, 2001).

Zum einen eignen sie sich also besser, das Gelernte ins Spiel zu transferieren. Zum anderen geht man auch davon aus, dass jeder Mensch eine individuelle Optimaltechnik hat, die nur durch Differenzen im Lernprozess und nicht durch Drills (welche durch ein Idealbilder vorbestimmt sind) erreicht wird. Zudem verändert sich die eigene Optimaltechnik im Verlaufe der Zeit, da sich unser Körper ständig in Entwicklung befindet (beides Schöllhorn, 1999).

Nachteil spielnaher Übungen im Vergleich zu Drills ist die erschwerte Überprüfbarkeit der Technik und unter Umständen die Herausforderung, eine hohe Wiederholungszahl/Zeit für jedes Kind zu gewährleisten.

Im Folgenden werden einige Übungen vorgestellt, die von ihrem Typ stufenweise eingesetzt werden können, um Kindern die Passtechnik zu vermitteln.

Um die Bewegungsidee zu begreifen und ein Bewegungsgefühl zu erlangen; eine analytische Form mit unterschiedlichen Anforderungen an die Pässe:

Eine spielerische Form mit Zeitdruck sowie unterschiedlichen Anforderungen an die Pässe:

Eine spielerische Form mit Zeitdruck und Gegnerdruck

Quellen:

Lee, T. D., & Magill, R. A. (1985). Can forgetting facilitate skill acquisition? In D. Goodman, R. B. Wilberg, & I. M. Franks (Eds.), Differing perspectives in motor learning, memory, and control (pp. 3 – 22). Amsterdam: Elsevier. 

Davids, K., Williams, A. M., Button, C., & Court, M. (2001). An integrative modeling approach to the study of intentional movement behavior. In R. N. Singer, H. A. Hausenblas, & C. M. Janelle (Eds.), Handbook of sport psychology (2nd edn., pp. 144 – 173). New York: Wiley. 

Schöllhorn, W. I. (1999). Individualität – ein vernachlässigter Parameter? Leistungssport, 29, (2), 7-11. 

Beitragsbild: www.dfb.de

Das 1 gegen 1 im Kinderfussball trainieren

Oliver Bierhoff gab offen und ehrlich Fehler in der Ausbildung der jungen Talente zu. Zukünftig soll beim DFB wieder mehr Raum für Individualisten und Kreativität entstehen. Auch Joti Chatzialexiou, sportlicher Leiter der deutschen Nationalmannschaften, gesteht den Verlust der so wichtigen Bolzplatzmentalität ein. Der Tatsache, dass das freie Fussballspielen auf der Strasse langsam aber sicher verschwindet, müssten die Vereine schleunigst entgegenwirken. Auch wenn der Fussballwelt wohl keine Revolution bevorsteht, so zeigen die aktuellen Diskussionen, dass es im heutigen Fussball wieder vermehrt kreative, unkonventionelle und mutige Dribbler braucht. Die im Zusammenhang mit Dribblern geforderten Merkmale und Fähigkeiten lassen sich aber nicht einfach so künstlich in der Jugendzeit erwerben, sondern erleben ihren Ursprung bereits im Kinderfussball. Schon die Kleinsten haben den Trieb, möglichst aus der eigenen Hälfte heraus gegen vier Gegner zu dribbeln und ein Tor zu erzielen. Oft werden sie von ihren Trainern aber schnell in die Schranken gewiesen, denn Fussball ist schliesslich ein Teamsport und Egoisten haben darin keinen Platz. Genau dieses Trainerverhalten ist für einen späteren Dribbler aber Gift. Selbstverständlich müssen die Kinder lernen, dass sie nicht jede Aktion alleine entscheiden können, das sofortige Fordern des Passspiels ist in Bezug auf die Kreativität allerdings die falsche Philosophie. Die Trainer sollen den Kindern beratend- und nicht befehlend- zur Seite stehen und im Gespräch mit ihnen erarbeiten, warum Situation XY eher mit einem Passspiel oder doch besser mit einem Dribbling hätte gelöst werden müssen.

Die relevanten 1 gegen 1 Situationen im Kinderfussball

Gegner frontal
Gegner im Rücken
Gegner seitlich

Diese drei 1 gegen 1 Situationen bilden die Basis des Spiels und erfordern deshalb ein gewisses Wissen und Lösungsstrategien. Nachfolgend werden die Schwerpunkte zur Lösung dieser Situationen zusammengefasst. Auch hier ist es wichtig, dass diese nicht von Seite der Trainerin oder des Trainers in die Spieler hineingetrichtert werden, sondern dass es ein gemeinsames Erarbeiten anhand von geschickten Fragestellungen gibt. Lasst die Kinder erstmal offen ausprobieren, wie man eine 1 gegen 1 Situation mit frontal stehendem Gegner lösen könnte. Nach einigen Minuten kann dann die Frage gestellt werden, ob es sinnvoller ist, mit Tempo oder doch eher langsamer auf den Gegner zu dribbeln. Schnell werden die Kinder die unter aufgeführten Schwerpunkte von alleine erarbeiten und nachhaltig speichern.

Abbildung 1. Quelle: kinderfussball-blog.ch

Gegner frontal

Gegen einen frontal stehenden Gegner ist für den ballführenden Spieler vor allem hohes Tempo wichtig. Dies führt dazu, dass in der Regel 1-2 schnelle Finten bereits ausreichen, um den Gegner stehen zu lassen. Ein meist getätigter Fehler ist das Verlangsamen des Tempos, sobald man sich dem Verteidiger nähert. Ausserdem ist es oft zu beobachten, dass die Kinder zu viele Finten machen und damit keinen Raum gewinnen. Ein 1 gegen 1 sollte auf alle Fälle zielorientiert und mit der Absicht, möglichst schnell am Gegner vorbeizukommen, geführt werden. Durch das schräge Anlaufen des Angreifers muss der Verteidiger das Gewicht auf eine Seite verlagern. Wenn die Kinder dies erkennen, so brechen sie auf die andere Seite aus und erwischen ihn auf dem falschen Fuss. Solche Details festzustellen ist allerdings äusserst schwierig und kann von den meisten G- bis E- Junioren noch nicht erwartet werden.

Gegner seitlich

Gegen einen seitlich angreifenden Angreifer ist es primär wichtig, den Ball zu schützen. Dazu soll er mit dem gegnerfernen Fuss geführt werden und der Körper zwischen Ball und Gegner gestellt werden. Je nach Laufrichtung des Gegners kann der Angreifer seinen Weg weiterverfolgen, oder er muss einen Ortswechsel vorantreiben.

Gegner im Rücken

Läuft der Angreifer mit dem Ball nach vorne und der Verteidiger klebt hinter ihm, so gelten die ähnlichen Schwerpunkte wie beim 1 gegen 1 seitlich. Primär soll der Ball mit dem Körper geschützt werden. Zur besseren Orientierung empfiehlt sich der Schulterblick.
Steht der Angreifer allerdings mit dem Rücken zum Tor, so hat er zwei Lösungsmöglichkeiten. Entweder bricht er zu Seite aus und es entsteht ein seitliches 1 gegen 1 oder er dreht sich schnell an Ort und Stelle, woraus ein frontales 1 gegen 1 entsteht. Um die richtige Entscheidung zu treffen, soll sich der Angreifer auch hier durch den Schulterblick orientieren

Was ist entscheidend für eine erfolgreiche 1 gegen 1 Situation?

Die Kinder sollen eine Lust auf Herausforderungen entwickeln. Dies geschieht aber nur, wenn wir ihnen klar machen, dass Fehler absolut nichts schlimmes sind und allen passieren. Eine fehlerverzeihliche Atmosphäre ist deshalb unabdingbar. Ferner ist die Freude am Ausprobieren von neuen Finten wichtig. Egal ob diese bereits beherrscht werden… Ausprobieren! Zuletzt ist selbstverständlich auch der Wille und das Selbstvertrauen wichtig. Wenn sich ein Kind bereits vor dem Start der Aktion unterlegen fühlt, wird es das Duell in neun von zehn Fällen auch verlieren.

Wie coache ich 1 gegen 1 Situationen?

Das wichtigste wurde bereits erwähnt: Lasst die Kinder ausprobieren und benutzt die aufgelisteten Schwerpunkte lediglich als Leitfaden für euch selbst. Damit die Kinder tatsächlich kreativ werden können, brauchen sie keine Trainer, welche ihnen alle Lösungen geben. Nutzt die gemachten Fehler und versucht, eure Juniorinnen und Junioren durch provokantes Fragestellen in die richtige Richtung zu “schupsen”.

Wie setze ich das in der Praxis um?

Der methodische Fahrplan des schweizerischen Fussballverbands empfiehlt, eine Übung offen zu starten, damit erste Erfahrungen gesammelt werden können. Danach folgt ein Übungsphase und zum Schluss ein Wetteifern. Durch den offenen Start eruieren die Trainerinnen und Trainer den aktuellen Wissenstand der Kinder und erkennen erste Fehlerquellen. Mit Hilfe einer geschickten Gesprächsführung sollen die Kinder dann die zutreffenden Schwerpunkte erarbeiten. Diese gilt es dann in der Übungsphase detaillierter zu erwerben. Während dieser Phase sollen die Trainer beratend zur Seite stehen und den Kindern direkte Rückmeldungen geben. Im letzten Teil der Übungszeit wird ein sogenanntes Wetteifern inszeniert. Dies erhöht noch einmal die Aufmerksamkeit und die Motivation der Kinder.

Im Übungs-Bereich wurden Übungen zu den drei 1 gegen 1 Situationen inklusive Beschreibung hinzugefügt. Gerne kannst Du Dich dort inspirieren lassen.

Quellen

Titelbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20180602_FIFA_Friendly_Match_Austria_vs._Germany_Lainer_Sané_850_0881.jpg

Chatzialexiou, Joti (2018): DFB- Strategie- “Wir haben die Bolzplatzmentalität verloren” https://www.morgenpost.de/sport/article215780151/Chatzialexiou-Wir-haben-die-Bolzplatzmentalitaet-verloren.html

11freunde.de: Sag mir wo die Fummler sind. https://www.11freunde.de/artikel/daran-hapert-es-fussball-deutschland

Kern, Raphael; Papilloud, Jean-Jacques; Furger, Claudia; Mangiaratti, Alessandro und Truffer, Bruno (2015): Kinderfussball – Theorie und Praxis. Kursdokument J+S und SFV. Bern: SFV

Spielkreativität entwickeln

Der Kinderfussball boomt. Welcher Erwachsener hat in seiner Kindheit nicht irgend einmal Fussball gespielt? Deshalb ist auch der Bedarf an Trainer und Trainerinnen so gross. Nicht unhäufig kommt es vor, dass ein Papa das Teams seines Sohnes übernimmt und in den ersten Trainings gleich mal die Übungen macht, die er noch von seiner Fussballerzeit kennt. Geht er mit ihnen ans Turnier, wird den Kindern die Marschroute strikte vorgegeben und beinahe ununterbrochen gecoacht. Die Kinder sollten ja zu wissen bekommen, wie richtig Fussball gespielt wird!

Die Kinder lernen jedoch anders. Sie lernen aus eigenen Erfahrungen, aus Fehlern. Sie lernen durch Ausprobieren und durch immer wiederkehrende Situationen. Kinder lernen, in dem man sie zuerst einmal machen lässt. Kinder müssen in erster Linie Spass beim Sporttreiben haben.

Das aktuelle Monatsthema befasst sich mit ebendiesem ,,machen-lassen”. Oder besser gesagt, mit dem provozieren von Spielsituationen, die die Kinder von selbst die Lösung finden lassen. Kurz: die Entwicklung von Spielkreativität.

Im Lehrbuch versteht man unter der Spielkreativität die Generierung von vielfältigen und originellen Lösungen in unterschiedlichen Spielsituationen.

Memmert und Schwab haben 2014 ein Modell erforscht, dass mittels seiner Bausteine die Spielkreativität beschreibt.

Memmert & Schwab, 2014

Im folgenden wird jeder Block kurz erklärt und mit einer Übung ergänzt.

One-Dimension-Games

Die Ziel von One-Dimension-Games ist, durch ihre Rahmenbedingungen möglichst oft gleiche Spielsituationen zu provozieren, bei denen jeweils der ein Taktikbaustein im Fokus steht. Dabei soll nicht explizit gecoacht bzw. die Lösungen verraten werden. Vielmehr werden die Kinder im Verlaufe des Spiels, dank den wiederkehrenden Spielsituationen, eigene, vielfältige und kreative Lösungen finden. Wichtig ist, dass die Kinder, die ihnen zugeteilten Rollen für eine Zeit lang inne haben, um einige Male ähnliche Spielsituationen zu erleben.

Der DFB unterscheidet folgende Taktikbausteine und schlägt beispielhaft diese Übungen vor:

Anbieten und Orientieren: Reifenball

Überzahl herausspielen: 3 + 3 gegen 3

Ballbesitz sichern: 7-Bälle-Spiel

Lücke erkennen: Offentore durchspielen

Abschlussmöglichkeit nutzen: 6-Tore-Spiel

Selbstverständlich gibt es zu jedem Taktikbaustein noch viele weitere Übungen. Zentral hier ist aber jeweils das Prinzip.

Deliberate Play

Deliberate Play besagt, dass nur mit dem freien Spiel (oder Spielformen) zentrale Leistungsmerkmale des Fussballs wie Handlungsschnelligkeit oder Spielkreativität verbessert werden können. Trockene Übungen, speziell im Kinderfussball, machen den deutlich geringeren Anteil aus. Dies auch aus dem Grund, da im Gegensatz zu Individualsportarten (wie zB. Turnen, Langlauf oder Schwimmen) die Entwicklung der Spielfähigkeit äusserst wichtig ist. Weil es im Fussball letzten Endes darum geht, die Technik im Spiel anzuwenden, gilt die Regel der 10’000 Übungsstunden im klassischen Sinne als überholt.

Deliberate Play verlangt folgende Kriterien:

  • vielseitige Fussballspiele und Spielformen
  • kleine, gleichstarke Teams
  • hohe Bewegungszeiten
  • einfache Regeln
  • unterschiedliche Torvariationen (mal auf Minitore, Hütchentore, 5m-Tore, Linien, Bänke, etc.)
  • seltenes Eingreifen des Trainers, dafür gute Aktionen loben

Siehe Vorteile von Funino und ,,kleinen Spielen”.

Diversifikation

Fünf- bis zehnjährige Kinder sind bewegungstechnisch gesehen Allrounder – von allem schon etwas gemacht, nirgends spezialisiert. Die Diversifikation meint die vielseitige Bewegungserfahrung, welche für eine ganzheitliche Entwicklung eines Kindes notwendig ist. Dieser Tatsache soll man auch in einem Training im Kindersport gerecht werden. Deshalb ist es unerlässlich, den Kindern durch unterschiedliche Spiele, Bälle, Unterlagen und Umgebungen verschiedene Bewegungserfahrungen zu ermöglichen. Die Kinder lernen zudem bei Nicht-Fussballspielen oder anderen Sportarten neue Problemlösungsmöglichkeiten kennen, die ihre Spielkreativität im Fussball weiter steigern kann. Wer ging mit seinen Fussball-Kids schon einmal Ping-Pong spielen?

Ein weiterer Vorteil der Diversifikation ist, dass unterschiedliche Spiele den Kindern einfach Spass machen und sie so zum lebenslangen Sporttreiben führen. Zudem weiss niemand, welche Sportarten die Kids in zehn Jahren betreiben.

Deliberate Coaching

Mit diesem Baustein ist gemeint, dass Vorsicht bei der Menge der Anweisungen geboten werden soll, die ein Trainer seinen Kindern gibt. Denn man spricht in der Kognitionsforschung von der ,,Inattentional Blindness” (Blindheit durch Unaufmerksamkeit), die besagt, dass nur Dinge wahrgenommen werden, auf die die Aufmerksamkeit gerichtet ist. Tritt Unerwartetes ein und die Aufmerksamkeit ist nicht darauf gerichtet, wird dieses Etwas oft nicht wahrgenommen. Dazu ein interessantes Experiment hier.

Deshalb sollten Trainer so wenig wie möglich coachen, so dass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder möglichst gross bleibt.

Im Training kann eine hohe Aufmerksamkeitsspanne erreicht werden, in dem die Spiele toll inszeniert werden oder Spiele durchgeführt werden, bei denen die Aufmerksamkeit auf verschiedenen Dingen liegen muss, um erfolgreich zu sein (zB. Fangspiele mit mehreren Fängern etc.).

Deliberate Motivation

Bei ,Deliberate Motivation’ geht es um die Art und Weise, wie man die Kinder motiviert, eine Aufgabe zu bewältigen. Man spricht vom Präventionsfokus und vom Promotionsfokus. Der Präventionsfokus entsteht durch Instruktionen, die auf ein pflichtorientiertes Verhalten ausgerichtet sind. Der Promotionsfokus wird hervorgerufen, in dem man hoffnungsorientiert instruiert.

Während der Präventionsfokus bei gewissen Situationen durchaus von Vorteil ist (zB. wenn noch kleine Kinder vor Trainingsbeginn im Tor stehen und die grösseren auf’s Tor ballern und man will, dass niemand am Kopf getroffen wird), ist der Promotionsfokus bzgl. der Spielkreativität deutlich besser. Denn durch das hoffnungsbasierte Instruieren erreicht man bei den Kindern zum einen eine grössere Aufmerksamkeitsspanne und zum anderen werden die Kinder dazu veranlasst, durch eine grössere intrinsische Motivation häufiger nach alternativen Lösungen von Spielsituationen zu suchen.

Folgend einige Beispiele des DFB’s, die den Unterschied zwischen dem Präventionsfokus und dem Promotionsfokus verdeutlichen.

1

Bild 1 von 5

Deliberate Practice

Spielt erst im Jugendfussball eine Rolle, weshalb hier nicht näher drauf eingegangen wird.

Fazit

Bei der Entwicklung von Spielkreativität geht es weniger ums Einüben, sondern vielmehr darum, die Kinder ihre bereits vorhanden Kreativität ausleben zu lassen und in ihren Ideen zu bestärken. Modernes Kinderfussballtraining hat angepasste Rahmenbedingungen, wo Lösungen der Kinder selbst auch die idealen Lösungen sind. Jedes Kind soll gemäss seinem aktuellen Könnensstand seine Erfahrungen machen können, die essenziell sind, Spielsituationen bei einem nächsten Mal besser einschätzen zu können. Wenn wir als Ausbildner kreative Lösungen der Kinder fördern wollen, ist es unsere Aufgabe, die richtigen Übungen mit ihnen durchzuführen sowie eine passende Atmosphäre zu schaffen.



Quellen

Memmert, Daniel. (2014). Kreativität entwickeln und fördern. Kitzeln sie das Besondere heraus! Köln: Sporthochschule

Knäbel, Peter. Kinderfussball-Konzept SFV. Fussball im J+S Kindersport. Bern: Haus des Schweizer Fussballs

Klassische Kinderspiele in das Training integrieren

Selbstverständlich können wir Trainer uns auch nach all den Jahren noch an die klassischen Kinder-Spiele wie beispielsweise Uno, Lotto oder Jenga erinnern. Solche Spiele werden auch heute noch sehr oft gespielt und von den Meisten Kindern sofort erkannt. In diesem Monatsthema geht es darum, solche Spiele ins Fussballtraining zu integrieren und daraus lustige, lernreiche und sinnvolle Übungen zu gestalten. Nachfolgend werden die Übungen vorgestellt.
Solltet Ihr zuhause keine solchen Spiele mehr finden, so lassen sich diese meist einfach und günstig auf Flohmärkten erwerben.

Lotto (Bingo)

Beim Spiel “Lotto” erhält jede Zweiergruppe eine Spielkarte mit unterschiedlichen Zahlen. Jeweils die erste Person dribbelt mit dem Ball zur Mitte, wo sich die Zahlen befinden. Blind wird nun eine Zahl gezogen und mit dem Ball zurück zur eigenen Spielkarte gedribbelt. Während der erste Spieler die Zahl mit denen auf der Karte vergleicht, darf der zweite Spieler bereits starten. Wenn die gezogene Zahl mit einer auf der Spielkarte übereinstimmt, so darf diese abgedeckt werden. Wichtig ist es, dass die Spieler die Zahlen nach dem Vergleich wieder in die Mitte bringen. Ansonsten fehlen diese Zahlen den restlichen Teams.
Das Ziel des Spiels ist es, möglichst schnell eine Reihe auf der Karte abgedeckt zu haben. Wird dieses Ziel erreicht, ruft das Team laut “Lotto”.

Durch das wiederholte Dribbeln zur Mitte wird die Ballführung geschult. Beim Aufstellen der Übung soll darauf geachtet werden, dass möglichst kleine Gruppen gemacht werden. Nur so können möglichst viele Ballkontakte für jedes einzelne Kind garantiert werden. Weitere Variationen und die Übungen als Download können hier gefunden werden.

Spielkarten
Eine komplette horizontale Linie ergeben ein Lotto.
Zahlen

Leiterspiel

Wer hat als Kind nicht auch stundenlang das Leiterspiel gespielt? Mit einer einfachen und garantiert lustigen Übungsform lässt sich dieses Spiel mit einer Technik-Übung verbinden.

Zu Beginn wählt jedes Kind eine Spielfigur. Bei mehr als sechs Spielern wäre es optimaler, zwei Spielbretter aufzustellen. Nun beginnen alle Kinder in der Mitte. Auf das Startsignal des Trainers dribbeln die Kinder nach Aussen zu den Würfeln. Nach dem Würfeln dribbeln sie zurück in die Mitte, stoppen den Ball und bewegen die eigene Spielfigur um die gewürfelte Zahl. Achtung: Beim Leiterspiel gibt es logischerweise auch Leitern. Sollten die Kinder auf ein Feld mit einer eingezeichneten Leiter kommen, so dürfen sie entweder die Leiter hochsteigen (grüne Felder) oder sie müssen die Leiter nach unten rutschen (rote Felder). Dies führt dazu, dass die führende Person ständig wechselt und die Kinder mit vollem Eifer am Spielen sind, währenddessen sie automatisch ihre Ballführung spielerisch verbessern.
Wer zuerst passend (!) ins Ziel gelangt, gewinnt das Spiel.
Selbstverständlich können Variationen eingebaut und die Art der Ballführung gewechselt werden.

Uno- Lauf

Für die Uno- Stafette wird jeder Gruppe eine Farbe zugeteilt. Die nicht gebrauchten Spezialkarten (0er, Plus 4, Wünscher etc.) werden aussortiert. Jeweils die vorderste Person dribbelt mit dem Ball zu den verdeckten Uno-Karten. Dort dreht sie eine Karte nach Wahl um. Entspricht sie der eigenen Farbe, so darf sie mitgenommen werden. Ist es eine andere Farbe, muss sie wieder zurückgelegt werden. Das Team, welches zuerst alle Karten der eigenen Farbe hat, gewinnt die Runde.
Auch hier unbedingt die Art der Ballführung variieren. Zudem sollen die Kinder den Ball immer mit dem Fuss stoppen und auf keinen Fall mit der Hand.

Uno Karten

Achtung: Alle Karten mit den Zahlen 1-9 sind doppelt vorhanden. Die Null dagegen nur einmal pro Farbe. Eventuell müssen daher Karten aussortiert werden.

Jenga

Das lustige Spiel, bei welchem Bauklötze aus einem Turm gezogen werden müssen, ohne dass dieser dabei einstürzt, lässt sich ebenfalls als Stafette organisieren. Das vorderste Kind jedes Teams dribbelt in Richtung des Jenga Turms. Beim Turm wird der Ball gestoppt und versucht, ein Klotz aus dem Turm zu ziehen. Nachdem der Klotz erfolgreich entfernt wurde, dribbelt das Kind zurück und legt ihn beim eigenen Team ab. Sofort startet das nächste Kind und versucht erneut einen Klotz aus dem Turm zu ziehen. Sobald der Turm zusammenstürzt, wird das Spiel gestoppt. Gewonnen hat das Team, welches am meisten Klötze aus dem Turm gezogen hat.
Durch den Wechsel zwischen schnellem Dribbeln und dem langsamen und vorsichtigen Herausziehen der Klötze eignet sich diese Übung nicht nur für die Ballführung, sondern auch als Konzentrationsübung. Aufgrund der erhöhten Anforderungen an die Kinder, eignet sich die Übung eher für F- oder E- Junioren.

Jenga Turm

Aufgrund der höheren Bewegungszeit sollten je nach Gruppengrösse zwei Jenga- Türme aufgestellt werden.

Variationen sind wie immer im Downloadbereich zu finden.

Quellen

Lotto Spielkarten: https://www.lottomatch24.ch/shop/produkt/1er-lottokarten-6er-set-einfarbig-gross-zahlen-1-90/

Lotto Zahlen: https://shop.tombotto.ch/pi/Lotto-Holznummern-mit-braunen-Zahlen.html?gclid=EAIaIQobChMI8rStn-OO5AIViYXVCh2GXwDpEAQYBSABEgL8iPD_BwE

Leiterspiel: https://muster-vorlage.ch/sdm_downloads/leiterlispiel-vorlage-download/

Uno Karten: https://www.brettspiele-report.de/uno/

Jenga Turm: https://www.joe-shop.ch/geschicklichkeitsspiel-wackelturm-rkhs530?gclid=EAIaIQobChMI0an92KCP5AIVRojVCh22BQJPEAQYBSABEgLF4PD_BwE

Metaphern im Kinderfussball

Kleine Kinder leben in einer magischen Erlebniswelt, in der sie sich im Zentrum sehen. Alles was sie wahrnehmen und fühlen, beziehen sie auf sich selber. Die Wahrnehmung ist zunächst aber noch wenig entwickelt, weshalb ihre Vorstellungen vom Leben und Erlebten zwischen Traum und Wirklichkeit schwankt. Kinder neigen dazu, leblose Dinge zu beseelen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein kleines Kind meint, dass der Einkaufswagen ,,böse’’ ist, weil er wegrollt, oder dass es zum Halbmond ausruft: ,,Guck mal Mama, der Thomas hat den Mond kaputt gemacht.’’

Erst mit sieben Jahren gleicht sich das Denken des Kindes allmählich dem analytischen Denken eines Erwachsenen an. Nun ist es beispielsweise in der Lage, Situationen zu analysieren oder eine Vorstellung von Vergangenem und Zukünftigem zu haben. Da sich alle Kinder unterschiedlich entwickeln, kann diese Phase der magischen Erlebniswelt auch noch länger gehen, bei anderen vielleicht kürzer.

Zu beobachten ist jedenfalls, dass speziell die jüngeren Kinder im Kinderfussball enorm auf integrierte Geschichten im Training anspringen. Wenn wir das Interesse der Kinder wecken wollen, dürfen wir sie nicht als kleine Erwachsene behandeln, sondern müssen uns in ihre Welt begeben und in ihrer Sprache sprechen. Dann können wir uns über eine erhöhte Aufmerksamkeit ihrerseits erfreuen, was ihr Lernpotenzial in einer freudvollen und kindsgerechten Umgebung steigert.

Der kindliche Geist braucht bildhafte Geschichten, die die Fantasie anregt, um zu lernen, zwischen Gut und Böse oder Arm und Reich usw. zu unterscheiden und Ideale wie Ehrlichkeit, Tapferkeit und Mut zu erleben. Dafür eignen sich bspw. Märchen besonders. Die erzählten Bilder übertragen Kinder dann auf ihre Wirklichkeit, da sie in diesem jungen Alter über ein bildhaftes Gedächtnis verfügen. Theoretisch kann jede Kindergeschichte in eine Übung umgewandelt werden. Vorkommende Tiere eignen sich ebenfalls, da deren Fortbewegungsarten das Bewegungsrepetoire der Kinder auf eine ganz eigene Art reizt.

Bezogen auf ein Kinderfussballtraining sehen wir zwei Umsetzungsmöglichkeiten des Themas: Zum einen das Übersetzen von Anweisungen in einzelne Metaphern und zum anderen die Durchführung einer Übung als Geschichte.

Unsere Metaphern, die sich allesamt schon bewährt haben:

  • Sonne
    Man stelle sich vor, der Ball sei die Sonne und von ihr strahlen viele Strahlen ab. Die Gegenspieler stehen jedoch im Weg und deshalb ist hinter diesen Schatten. Die Mitspieler sollten sich also in die ,Sonne’ stellen, um angespielt werden können.

  • Blume
    Wir als Mannschaft wollen uns bei Ballbesitz in die Breite und Tiefe verteilen, so wie eine Blume bei Tag geöffnet ist. Kommt allerdings die Nacht, sprich der gegnerische Ballbesitz, schliesst sich die Blume und unsere Mannschaft soll ganz kompakt zueinander kommen.

  • Bowling
    Der Torhüter soll den Ball flach zu den Mitspielern auswerfen bzw. bowlen. Wünschenswerter wäre jedoch, wenn er den Ball an den Boden legen und einen Flachpass spielen würde (Technikschulung). 

  • Ball jagen wie Wespen
    Wir wollen die bzw. den gegnerischen Spieler mit Ballbesitz so aufsässig jagen wie es Wespen tun.

  • Einander helfen
    Sei es bei der Verteidigungsarbeit (dass auch die Angreifer zurück kommen sollen) oder beim Freilaufen + Anbieten bei meinem Mitspieler.

  • Mutig sein wie ein Löwe
    Wir wollen den Gegenspieler mit Ballbesitz nicht zusehen, wie sie Fussball spielen, sondern schnell den Ball erobern gehen. Wir sind mutig in den Zweikämpfen. Wir trauen uns, entschlossen ins 1:1 zu gehen. Wir bleiben beim Fussballspielen ruhig und konzentriert, egal was passiert. 

  • Schnell sein wie ein Flugzeug
    Wenn wir eine Lücke oder Raum auf der Seite finden, wollen wir das zügig ausnutzen.

  • Der Ball ist mein Goldschatz
    Uns soll bewusst sein, dass der Ballbesitz etwas wertvolles ist. Wir geben Sorge zum Ball und denken an unsere Teamkollegen (die den Ball auch gerne haben), als ständig zu dribbeln.

  • Ich bin der Chef vom Ball
    Eignet sich meist bei Ballführ-Übungen, bei denen man den Kindern zeigen möchte, dass sie die sind, die entscheiden, was der Ball als nächstes macht. Bzw. wann er still steht, wenn man dem Ausbildner zuhören soll.

  • Aufstellung wie ein Auto
    Eignet sich mit Grafik eines Kinderautos mit vier grossen Rädern aus der Perspektive von oben. Wir haben zwei Räder vorne (Angreifer) und zwei Räder hinten (Verteidiger) im Spielsystem 4+1.  

Bei allen Konzepten lohnt es sich, Grafiken zu erstellen bzw. Bilder ausgedruckt (am besten laminiert) mitzunehmen und den Kinder zur Veranschaulichung zu zeigen. Kennt Ihr noch mehr Beispiele?

Folgend zwei Übungen, bei denen parallel eine Geschichte erzählt wird:

Anregungen zu diesem Beitrag nehmen wir gerne in der Kommentarspalte entgegen. Weitere Übungen findet man hier.


Quellen:

Prekop Jirina, Schweizer Christel. (1990). Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen. Ein Elternbuch (24. Auflage). München: Kösel.

SFV Kinderfussballkonzept (Konzept ,Sonne’ & ,Blume’)

Spielerisch die Ballführung trainieren

Um die Ballführung und die Technik zu fördern gibt es unterschiedliche Methoden. Zweifelsohne haben auch Drills ihre Daseinsberechtigung. Gerade bei Bambinis oder jüngeren Juniorinnen und Junioren soll das Üben allerdings spielerisch stattfinden. Meist gilt das Interesse alleine dem Fussballspielen und Übungsphasen werden eher als Pause zwischen den Fussballspielen empfunden. Eine gute Übung gibt den Kindern demnach nicht das Gefühl von eintönigen Slaloms, sondern fordert sie spielerisch so heraus, dass sie schlussendlich nicht mehr merken, dass die Technik geschult wird. Zudem können sich die Kinder bei spielerischen und variantenreichen Übungen länger konzentrieren. Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zum Spiel, denn bei den Drill- Formen ist der Orientierungsinn meist nicht so wichtig, da jedes Kind für sich alleine dribbelt. In den spielerischen Übungen befinden sich alle Kinder auf dem gleichen Feld, weswegen immer auch aufeinander aufgepasst werden muss. So wird automatisch die Orientierung an den Mit- oder Gegenspieler und am Raum geschult.

Was beinhaltet eine gute spielerische Übung?

Das wichtigste ist selbstverständlich der Ball. Um die Technik zu schulen, muss jedes Kind in der kurzen Übungsphase möglichst viele Ballkontakte erreichen. Als Faustregel gelten ungefähr 1000 Kontakte pro Trainingseinheit. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, dass jedes Kind seinen eigenen Ball hat. Weiter sollen die Kinder auch die Möglichkeit haben, eigene Finten und Bewegungen einzubauen. Dies fördert die Kreativität und das Selbstvertrauen. Eine spielerische Übung soll- wie es der Name auch schon mitteilt- Spielcharakter haben. Dazu muss es ein Ziel geben, welches die Kinder erreichen wollen. Dieses muss von den Ausbildnern nach und nach verändert werden, so dass sich die Spielerinnen und Spieler neu motiviert führen. Man kann sich dies wie eine Art „Levels“ vorstellen. Nach einer gewissen Zeit steigen die Kinder ein Level hoch, wobei sich auch der Schwierigkeitsgrad verändern kann. Speziell bei jüngeren Kindern eignen sich Geschichten wie “Fuchs im Hühnerstall” ideal um die Identifikation und den Spass an und mit der Übung zu fördern.

Die wichtigsten Anforderungen an einer spielerische Übung

  • Jedes Kind hat einen Ball (Schulung der Technik)
  • Ziel, welches angepasst wird (Variationen; längere Aufmerksamkeit)
  • Spielfreude und Kreativität (Einbezug der Kinder)
  • Spass
  • Emotionen wecken
  • Alle Kinder zusammen im Feld (Orientierungssinn; Spielnah)
Hütchenwald

Im Beispiel des „Hütchenwaldes“ würde man damit beginnen, dass die Kinder zuerst frei durch den Raum dribbeln und Zusammenstösse mit Mitspielern oder Bäumen (Hütchen) verhindern sollen. Dabei wird sowohl die Orientierungsfähigkeit als auch die enge Ballführung gefördert. Um dem Spielcharakter gerecht zu werden, kann als „Strafe“ für allfällige Zusammenstösse mit den anderen Spielern oder den Bäumen das Erfüllen einer Bewegungsaufgabe eingeführt werden. Solche könnten beispielsweise Purzelbäume, Hampelmänner oder das Balancieren auf einem Seil sein. Nach den Bewegungsaufgaben dürfen die Kinder dann wieder am Spiel selbst teilnehmen. Innerhalb dieser spielerischen Übung kann die Schwierigkeit so gesteigert werden, dass der Ball nur noch mit dem linken Fuss geführt werden darf, oder die Kinder die Bäume umdribbeln sollen. Um Variationen gerecht zu werden, können die Bewegungsaufgaben geändert werden. Damit auch die Kreativität der Kinder einbezogen wird, können bei den Bäumen Finten ausgeführt werden. Diese dürfen entweder frei gewählt oder auf Anregung der Kinder vom Ausbildner bestimmt werden. Bei älteren Kindern bietet es sich auch an, jeder unterschiedlichen Baumfarbe eine Finte zuzuordnen.
Im letzten Teil der Übung kann auf einen Wettbewerb zurückgegriffen werden. Die Kinder könnten innerhalb von zwei Minuten möglichst viele Hütchen umrunden. Dies sorgt für einen extra Schub an Motivation und wird dem Spielcharakter gerecht. Die erzielten Punkte müssen dabei auch gar nicht klassisch der Reihe nach im Kreis aufgesagt werden, da dies die schwächeren Spielerinnen und Spieler blamieren könnte.
Damit die kindlichen Emotionen geweckt werden, soll auf das Thema “Wald” eingegangen werden. Die Ausbildner sollen die Kinder gedanklich in einen Wald entführen und ihnen klar machen, dass dort grosse und hohe Bäume wachsen und man unbedingt Zusammenstösse vermeiden sollte.

Brückenwächter

Als weiteres Beispiel kann die Übung „Brückenwächter“ dienen. Die Kinder in blau versuchen auf die gegenüberliegende Seite zu dribbeln und dürfen dabei ihren Ball nicht an den gelben Spieler verlieren. Wenn der “Wächter” einem Spieler den Ball wegnehmen kann, so wird dieser ebenfalls zum Wächter und unterstützt ihn in der nächsten Runde beim Erobern der Bälle. Durch das Ziel, ohne den Ball zu verlieren, auf die andere Seite zu kommen, erfüllt die Übung im Vergleich zu einem einfachen Slalom die Anforderungen einer spielerischen Übung. Die Kinder müssen stets den Kopf heben und sich im Feld orientieren, damit sie wissen, wo sich die Wächter befinden. Durch das automatische Ändern der Anzahl Fänger geschieht zudem eine stetige Variation der Schwierigkeit. Auch hier sollen selbstverständlich Variationen eingebaut und mit beiden Füssen geübt werden. Es bietet sich auch an, unterschiedliche Bälle zu nehmen, da das Verhalten jedes Balles sehr unterschiedlich sein kann.

Schlusswort

Anhand der Übungen lässt sich erkennen, dass das Ballführen ohne Probleme und mit viel Spass spielerisch gelernt werden kann. Neben der Förderung der technischen Fähigkeiten haben solche Übungen zudem noch weitere positive Effekte auf die Kinder. Durch das “Chaos” mit allen Spielern in einem Feld entsteht eine spielähnliche Situation, in welcher sich die Kinder im Raum orientieren müssen. Ausserdem haben die Kinder dabei natürlich viel mehr Spass als bei den klassischen Drills.

Weitere Beispiele von spielerischen Übung gibt es auf unserer Homepage. Dazu einfach HIER klicken.