Die Heidelberger Ballschule

Das Konzept der Heidelberger Ballschule wurde 1996 von Klaus Roth entwickelt. Das Ziel der Ballschule ist, dem vielerorts verbreiteten Bewegungsmangel von Kinder entgegenzuwirken. Die vorgeschlagenen Massnahmen des Heidelberger Konzeptes dienen zudem dazu, Kinder zu motorischen Allrounder auszubilden, was dem Trainingsprinzip der zunehmenden Spezialisierung entspricht. Durch diesen vielseitigen Ansatz soll einerseits den Kindern einen breiten Zugang zum Sporttreiben ermöglicht werden. Denn die Basis dafür wird in der Kindheit gelegt: Wer dort Begeisterung an der Bewegung oder an einer Sportart findet, überträgt dies ins Erwachsenenalter. Anderseits ist es aus motorischer Sicht von grosser Bedeutung, zuerst koordinativ umfassend geschult zu werden, um erfolgreich in einer Sportart spezialisieren zu können.

Diese Annahme basiert zum einen auf Feststellungen von Sportwissenschaftler („Mit der Schulung der Koordinativen Fähigkeiten kann nicht früh genug begonnen werden, da sie die jeweilige Voraussetzung für eine erhöhte motorische Lernfähigkeit in den nachfolgenden Altersstufen darstellt“, 2010, Weineck) und zum anderen auf Aussagen von ehemaligen Leistungssportler wie Mehmet Scholl: „Ich habe einfach gespielt, wie ich Spaß hatte: mal Tischtennis, dann Basketball oder Handball, also alles, was mit Bällen zu tun hatte.“ 

Das ,einfach mal Spielen’ geht aus der Lebenswelt der heutigen Kinder immer mehr verloren. Die Lebenswelt der Kinder hat sich, übertrieben formuliert, vom ,,Austoben auf der Strasse und im Wald’’ hin zum ,,Einrosten hinter der Konsole’’ gewandelt. Umso wichtiger also, den Kindern durch Sportangebote in Verein und Schule vielfältige und unangeleitete Bewegungserfahrungen zu ermöglichen.

Im Folgenden werden die Prinzipien der Heidelberger Ballschule mit entsprechenden Vorschlägen für die Praxis vorgestellt.

Die Leitsätze:

  • Entwicklungsgemässheit (Kinder sind keine Erwachsene)
  • Vielseitigkeit (Kinder sind Allrounder und keine Spezialisten)
  • Spielerisch-unangeleitetes Lernen (spielen vor üben)
  • Freudbetontheit (spielen macht Spass)

Das ABC für Grundschulkinder:

  • A = taktische Basiskompetenzen (spielerisch-situationsorientiert)

Bei dieser Säule geht’s darum, den Kindern das ,,Lesen von Spielsituationen’’ beizubringen. Dies wird erreicht, in dem man sie in konstruierten Spielformen mit basistaktischen Problemen konfrontiert, die in verschiedenen Spielsportarten gleichermassen vorkommen. So ist ,,Anbieten und Orientieren’’ im Handball genauso von Bedeutung wie im Basketball, Fussball oder Eishockey.

  • B = koordinative Basiskompetenzen (fähigkeitsorientiert)

Es wird davon ausgegangen, dass es bei den Ballspielen allgemeine, technikübergreifende Leistungsfaktoren gibt, die dazu dienen, motorische Fertigkeiten zu erlernen, zu kontrollieren sowie zu variieren. Diese Faktoren sind die koordinativen Fähigkeiten. Wer ein hohes Koordinationsniveau besitzt, dem oder der fällt bewegungsmässig alles leichter.

  • C = technische Basiskompetenzen (fertigkeitsorientiert)

Hier geht es um die Vermittlung von Basistechniken. Die Idee ist, dass gewisse   technische Elemente wie bspw. ,,Flugbahn des Balles erkennen’’ in verschiedenen Spielsportarten vonnöten ist und deshalb diese Säule in die Anfängerausbildung gehört.

Die Unterkategorien der Bausteine:

TaktikbausteineKoordinationsbausteineTechnikbausteine
Ziel ansteuernBallgefühlFlugbahn des Balles erkennen
Ball dem Ziel annähernZeitdruckPositionen & Bewegungen der Mitspieler erkennen
ZusammenspielPräzisionsdruckPositionen & Bewegungen der Gegenspieler erkennen
Lücken ausnutzenKomplexitätsdruckLaufweg zum Ball bestimmen
Gegnerbehinderung umgehenOrganisationsdruckSpielpunkt des Balles bestimmen
Überzahl herausspielenVariabilitätsdruckBallbesitz kontrollieren
 BelastungsdruckBallabgabe kontrollieren

Folgend drei Umsetzungsideen für die Praxis:

Taktische Basiskompetenzen: Pylone bewachen

Koordinative Basiskompetenzen: Prellfangspiel auf Linien

Technische Basiskompetenzen: Flugbahn schätzen

Quelle: https://ballschule.de

Hast du die Heidelberger Ballschule bereits gekannt und gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht? Was ist deine Meinung?

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