Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.2

Erlebnis vor Ergebnis

Im August 2017 lancierte der SFV die Kampagne “Erlebnis vor Ergebnis” um Erwachsene für die Ziele des Kinderfussball zu sensibilisieren. Konkret wird gefordert, keine kleinen Erwachsenen sondern eigenständige und begabte Kinder auszubilden sowie den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Dafür gilt die Botschaft, dass der Spass wichtiger ist als die erzielten Ergebnisse. Der grosse Erfolg der Kampagne führte unter anderem sogar dazu, dass Swiss Olympics Material für alle Sportarten zur Verfügung stellte. Die Aussagen dieser Kampagne lauten:  «Es ist ein Spiel», «Wir sind Kinder», «Der Schiedsrichter ist auch ein Mensch», «Es ist keine WM» und «Unsere Trainer sind Ehrenamtliche».

Gründe für die Kampagne

Schon beim Spiel der Bambinis feuern Väter, Mütter, Trainer und Grosseltern die kleinsten gleichzeitig dazu an, endlich mal zu passen, zu schiessen oder auf Zeit zu spielen. Auch wenn sich das natürlich etwas übertrieben liest, so liegt doch ziemlich viel Wahrheit dahinter. Oft wird schon bei den Kleinsten intensiv gecoachet, damit schlussendlich das Spiel gewonnen wird. Doch worum geht es im Kinderfussball wirklich? Siege und Pokale sind sicherlich schön, wichtig ist aber die nachhaltige Ausbildung, damit die Kinder auch später mit Freude und Motivation Fussball spielen. Falscher Ehrgeiz durch Erwachsene kann diese Freude natürlich hemmen. Um sie deshalb zu sensibilisieren gilt ab sofort Erlebnis vor Ergebnis!

Umsetzung

Die Rahmenbedingungen der Kampagne zielen auf das Priorisieren von Freude im Gegensatz zur Fokussierung auf Resultate ab. Bewusst steht das Ergebnis nicht im Vordergrund, denn für eine gute fussballerische Ausbildung benötigen die Kinder in erster Linie intrinsische Motivation und Freude an der Sportart. So sollen alle- unabhängig vom Talent- die gleiche Anzahl an Spielminuten erhalten. Ebenfalls sollen die Positionen regelmässig gewechselt werden, damit alle Kinder die Möglichkeit haben, auf unterschiedlichen Positionen zu agieren. Auch wenn nicht jeder Profi werden kann und will, so gilt der Fussball als grösster Einstieg ins Sportlerleben. Das Ziel muss es deshalb sein, lebenslange Sportler und begeisterte Fussballerinnen und Fussballer zu entwickeln. Dafür soll im Kinderfussball auf Ranglisten und Tabellen grösstenteils verzichtet werden. Dies führt lediglich zum Priorisieren von Ergebnissen statt auf das Vermitteln von Freude. Damit einhergehend sollen die Trainerinnen und Trainer keine zu intensiven Anweisungen geben, sondern ruhig und beobachtend coachen. Speziell richtet sich “Erlebnis vor Ergebnis” auch an die Eltern am Spielfeldrand. Zwischen ihnen und den Kindern soll eine gesunde Distanz geschaffen werden, damit die Knaben und Mädchen in Ruhe spielen können. Wichtig zu erwähnen ist es aber, dass die Kampagne von den Kindern nicht verlangt, dass sie nicht gerne gewinnen! Lediglich die äusseren Einflüsse sollen etwas reduziert werden, damit eben auch der Spass nicht zu kurz kommt.

Massnahmen

Die Blachen lassen sich gut an Gittern befestigen und sollen alle beteiligten Personen an die Wichtigkeit des Spasses erinnern.

Die Pylonen mit der Aufschrift “Zuschauerzone” und “Erlebnis vor Ergebnis” sollen zur Kennzeichnung der Zuschauerzone benutzt werden. Damit wird verhindert, dass Eltern zu nahe am Feld stehen und die Kinder zu intensiv coachen. Die Distanz zu den Eltern wirkt für die Kinder erfahrungsgemäss angenehm und lässt sie frei und kreativ spielen.

Zusätzlich können Flyer beim SFV bestellt werden. Sie richten sich entweder an die Kinder, die Trainer oder an die Zuschauer und bewirken in schwierigen Situationen Wunder.

Neben den bereits erwähnten Massnahmen können kurze und klare Videos auf der Internetseite des SFV abgespielt werden. Diese können beispielsweise an Elternabenden oder während den Turnieren abgespielt werden. So werden sowohl die Eltern, als auch die Kinder oder Trainer für das Thema sensibilisiert. Die Erklärvideos können hier aufgerufen werden.

Wie kann ich vom Angebot profitieren?

Um die aufgeführten Produkte zu bestellen, einfach hier klicken. In der Schweiz beheimatete Vereine bezahlen für das Komplettpaket lediglich die Portokosten von 30 CHF.

Auch für deutsche Vereine gibt es eine interessante Kampagne vom Berliner Fussball-Verband. In drei Videos möchten die Kinder aggressive Eltern dazu animieren, sie in Ruhe Fussball spielen zu lassen. Um zu den Videos zu gelangen, hier klicken.

Was meint das Kinderfussball-blog Team dazu?

Selbstverständlich sind freudvolle und motivierende Eltern überhaupt kein Problem und gehören- genau so wie der Ball- zum Fussball. Trotzdem gibt es leider zu oft übermotivierte Eltern, welche speziell ihr Kind oder auch das Team von der Seitenlinie coachen oder sogar zurechtweisen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass dies für die Kinder keine schöne Situation ist. Meist leiden sie auch unter dem Druck oder den Erwartungen solcher Eltern. Entschuldigende Blicke nach draussen oder eine komplette Motivationslosigkeit konnten wir daher schon einige Male beobachten. Die Sensibilisierung gegenüber den Zuschauern oder den Trainern empfinden wir deshalb als sehr wichtig. Auch hier ist natürlich immer die Frage, wie man dies kommunikativ handhabt. Die grosse Arbeit der Eltern mit Fahrdienst, Organisation etc. darf auf keinen Fall durch zu forsches Verhalten nicht wertgeschätzt werden. Gerade aber bei einem Elternabend vor der Saison kann ruhig auf die Thematik eingegangen werden. Die Videos vom SFV eignen sich dafür super. Auch die Blachen erinnern die Zuschauer immer wieder daran, worum es eigentlich gehen sollte. Die Kinder sollen die Freude am Fussball und am Sporttreiben entdecken und sich von Niederlagen und Fehlern nicht demotivieren lassen. Wir selbst praktizieren zahlreiche Empfehlungen der Kampagne “Erlebnis vor Ergebnis” und haben deshalb nur positive Erfahrungen gemacht. Aber ganz wichtig… Geht nicht zu forsch auf die Eltern zu, sondern versucht sie ins Boot zu holen. Gelingt dies, so stimmen die äusserlichen Voraussetzungen für freudvollen Kinderfussball.

https://www.football.ch/sfv/kinder-und-schulfussball/erlebnis-vor-ergebnis.aspx

2 Gedanken zu „Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.2

    1. Absolut, darüber sollte auch gar nicht diskutiert werden 🙂 Die Arbeit und auch das Vertrauen der Eltern sind ungemein wichtig und sind die Basis des Kinderfussballs. Nichtsdestotrotz ist falscher Ehrgeiz in diesem Bereich nicht hilfreich und kann dafür sorgen, dass die Kinder den Spass am Spiel verlieren. Der erwähnte Ehrgeiz gilt darüber hinaus natürlich auch für die Trainer, welche ihre persönlichen Erfolge höher als der Spass und die Entwicklung der Kinder gewichten!

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