Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.1

Play more football

Das Projekt “play more football” steht für die Einführung einer neuen Spielform auf der Stufe des Kinderfussballs (speziell E-Junioren). Gekennzeichnet wird es durch die Mischung aus Klein- sowie Grossfeldspielen (vgl. Monatsthema Funino). Der SFV möchte damit die positiven Aspekte beider Spielformen aufgreifen und in die Ausbildung der Kinder integrieren. An der nationalen Trainertagung vom Bundesamt für Sport Schweiz stiess die Idee auf offene Ohren und wurde sogar mit dem Swiss Olympic Science Award ausgezeichnet.

Wieso das bisherige überhaupt ändern?

Das oberste Ziel der Trainerinnen und Trainer ist die bestmögliche Förderung der Kinder, doch dazu braucht es ein stetiges Reflektieren. Die Tatsache, dass im 7:7 die Anzahl Ballkontakte und die Aktionen der Kinder im Vergleich zu den kleinen Spielen abnehmen, wird seit längerer Zeit wild diskutiert. Da es aber sowohl für kleine Spiele als auch für grössere Spiele (wie 7:7) sichtbare Vor- und Nachteile gibt, hat sich der SFV für eine Mischung der beiden Spielformen entschieden. So können die Kinder einerseits vom grösseren Feld und anderseits von einer höheren Quantität an Ballkontakten und Aktionen profitieren.

Wie funktioniert “play more football”?

Statt sich wie bisher auf nur eine Spielform zu konzentrieren, steht “play more football” für die Kombination aus Beidem. Ein typischer Turniermorgen soll deshalb so aussehen:

  • Zuerst 3x 10 Minuten Kleinfeldfussball (4 gegen 4 ohne Torspieler)
  • Anschliessend 3x 15 Minuten Grossfeldfussball (7 gegen 7 mit Torspieler)

In beiden Formen spielen jeweils alle Mannschaften gegeneinander. Dies hat eine Auswirkung auf die Anzahl Ballkontakte, Sprints, Torabschlüsse, erlebte Spielsituationen und nicht zuletzt auf die Verbesserung der taktischen Fähigkeiten. Damit sind allerdings keine einstudierten Angrifs-Auslösungen, sondern das Umschaltverhalten offensiv-defensiv sowie das Schaffen von Tiefe und Breite gemeint. Idealerweise lassen sich die vier kleinen Felder in kurzer Zeit in zwei Grossfelder umwandeln. Neben der besseren fussballerischen Förderung steht also keine enormer Zuwachs an organisatorischen Arbeiten an.

Abbildung 1: SFV

Stärken und Gründe für die Umsetzung

In einer Studie vom SFV und der Hochschule Magglingen verglich das Team um Projektleiterin Mirjam Hintermann das Verhalten von 323 Spielerinnen und Spieler in der aktuellen sowie in der neuen kombinierten Spielform. Abbildung 2 zeigt für die kombinierte Spielform folgende Stärken:

  • 62% mehr Spielaktionen
  • Deutlich mehr erfolgreiche und nichterfolgreiche Aktionen
  • Fast doppelt so viele Ballannahmen pro Minute
  • Doppelt so viele Abschlussversuche pro Minute
Abbildung 2: Hintermann et Al.

Wo finde ich zusätzliche Infos zum Projekt?

Wie üblich, stellt der SFV vorgefertigte Spielpläne und weitere Informationen auf ihrer Homepage zum Download an. Dazu einfach hier klicken.

Was meint das Kinderfussball-blog Team dazu?

Um die Kinder bestmöglich zu fördern, brauchen sie zwingend Aktionen und Lernmöglichkeiten. Aus unserer Sicht soll sich dieser Ausbildungsgedanke während dem Wechsel von den F- zu den E- Junioren auf keinen Fall verändern. Die Kinder müssen weiterhin die Möglichkeit haben, entdeckend zu lernen und brauchen für ihre Entwicklung vor allem positive und negative Erfahrungen. Gleichzeitig sollen sie aber einen Schritt näher an das 11 gegen 11 herangeführt werden, weshalb es Sinn machen würde, die Spieleranzahl zu erhöhen. Diese Vor- und Nachteile waren auch bei uns oftmals Zündstoff für interessante Diskussionen und die neue Wettbewerbsform “play more football” scheint dafür nun eine sehr gute und einfach umsetzbare Lösung zu sein. Dafür sprechen auch die Resultate der durchgeführten Studie beziehungsweise die gesteigerte Quantität der erfolgreichen und nichterfolgreichen Spielaktionen. Aus den genannten Gründen empfehlen wir die kombinierte Spielform wärmstens und hoffen, dass bereits jetzt zahlreiche Vereine eigenständige Turniere in diesem Modus veranstalten. In etlichen Diskussionen mit Trainerinnen und Trainer stellten wir allerdings auch das grosse Problem einer solchen Neuerung fest: Die Erwachsenen! Für uns Erwachsene steht der Fussball für wöchentliche Spiele gegen andere Gegner, Tabellen, zwei Tore sowie Stamm- und Ersatzspieler. Dieses Denken muss aber schleunigst geändert werden, denn im Zentrum stehen die Kinder und diese haben selten ein Problem, wenn sie mehr und intensiver zum Spielen kommen 🙂
Für eine bessere Ausbildung lohnt es sich deshalb, dem Projekt eine Chance zu geben und bereits vor der verpflichtenden Einführung damit zu starten.

Was denkt Ihr darüber? Diskutiert fleissig mit! 🙂

Quellen:

SFV: https://www.football.ch/sfv/kinder-und-schulfussball/play-more-football/projekt.aspx

Hintermann, Mirjam; Fuchslocher, Jörg; Kern, Raphael; Born, Dennis-Peter und Romann, Michael: play more football [https://www.swissolympic.ch/dam/jcr:73232a94-755c-4c2c-827d-950c9c784dfc/Book%20of%20Posters2019.pdf, 31.12.2019]

5 Gedanken zu „Sonderthema: Projekte des schweizerischen Fussballverbands Nr.1

  1. Guten Abend,
    wir das in der ganzen Schweiz so gespielt? Wenn ja, wie lange hat die Einführungsphase gedauert?
    Mir gefällt es sehr!!

    Lieber Gruss

    1. Liebe Angelika,
      zurzeit wird noch klassisch im 7:7 gespielt aber der SFV prüft die kombinierte Wettbewerbsform wohl zurzeit und wird sie dann hoffentlich bald einführen 🙂

      Liebe Grüsse

  2. Liebes Kinderfussball-Blog Team

    Toller Einblick in die neue Idee des SFV. Fügt nahtlos an das vorige Monatsthema an.
    Meiner bescheidenen Meinung nach macht die Schweiz hier wiedereinmal alles richtig. Seit Jahren befindet sich die schweizer Arbeit im Bereich Kinderfussball auf einem hohen Level. Da können wir uns im grossen Nachbarland getrost eine Scheibe davon abschneiden.

    Vielen Dank für eure Arbeit. Ich freue mich bereits jetzt auf das folgende Monatsthema!

    Freundliche Grüsse aus Bremen

    Gerd Graumalzer

  3. Liebes Kinderfussball-Blog Team,

    ich lasse in der E-Jugend seit dieser Saison eine Mischform auf Kleinfeldtore und 4 Minitore als Festival spielen. Auf jedem zweiten Feld ändert sich die Spielform. Allerdings spielen wir maximal 5:5.

    Mir ist noch nicht ersichtlich, welche Vorteile das 7:7 in der Altersklasse hat. Die Ergebnisse der Studie ergeben sich ja vermutlich vor allem durch die Einführung der kleineren Spielform.

    Viele Grüße aus Falkensee
    Martin

    1. Lieber Martin,
      das klingt sehr interessant! Wie lautet Dein bisheriges Fazit?

      In der Schweiz spielen wir bei den G- und F-Junioren 5:5, E-Junioren 7:7 und D-Junioren 9:9. Aus diesem Grund wird vor allem über den Wechsel von der E-Jugend in die D-Jugend diskutiert. Zahlreiche Stimmen meinen, die Umstellung wäre zu gross, wenn bei den E-Junioren mit einer geringeren Anzahl an Spielern gespielt werden würde. Selbstverständlich könnte man die D-Junioren ebenfalls mit geringeren Spieleranzahl spielen lassen, allerdings käme das Problem der Umstellung dann später.

      Der SFV nennt in Bezug auf den 7ner Fussball deshalb folgende Vorteile:
      – Längere Sprints
      – Längere Zuspiele (Differenzierung)
      – Umschalten von Offensiv zu Defensiv
      – Positionsspezifischer
      – Breite und Tiefe schaffen

      Unabhängig dieser Vorteile ist unsere Erfahrung so, dass es gewissen Kinder gut tut, auf einem grösseren Spielfeld zu spielen. Damit können sie beispielsweise ihre Schnelligkeit besser ausspielen oder haben je nach dem mehr Zeit und Raum für technische Aktionen. Nichtsdestotrotz sind auch wir der Meinung, dass NUR 7:7 auf alle Fälle nicht optimal ist. Aus diesem Grund gefällt uns diese Mischform “play more football” extrem gut 🙂 Ganz grundsätzlich finden wir auch, dass verschiedene Einflüsse und Spielformen für die Kinder gut sind, da wir noch keine Spezialisten ausbilden möchte. Vom 3:3 bis zum 7:7 hat es jeweils enorme und vielfältige Möglichkeiten, gewisse Dinge zu erleben. Sei es technisch oder taktisch.

      Liebe Grüsse

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