Das 1 gegen 1 im Kinderfussball trainieren

Oliver Bierhoff gab offen und ehrlich Fehler in der Ausbildung der jungen Talente zu. Zukünftig soll beim DFB wieder mehr Raum für Individualisten und Kreativität entstehen. Auch Joti Chatzialexiou, sportlicher Leiter der deutschen Nationalmannschaften, gesteht den Verlust der so wichtigen Bolzplatzmentalität ein. Der Tatsache, dass das freie Fussballspielen auf der Strasse langsam aber sicher verschwindet, müssten die Vereine schleunigst entgegenwirken. Auch wenn der Fussballwelt wohl keine Revolution bevorsteht, so zeigen die aktuellen Diskussionen, dass es im heutigen Fussball wieder vermehrt kreative, unkonventionelle und mutige Dribbler braucht. Die im Zusammenhang mit Dribblern geforderten Merkmale und Fähigkeiten lassen sich aber nicht einfach so künstlich in der Jugendzeit erwerben, sondern erleben ihren Ursprung bereits im Kinderfussball. Schon die Kleinsten haben den Trieb, möglichst aus der eigenen Hälfte heraus gegen vier Gegner zu dribbeln und ein Tor zu erzielen. Oft werden sie von ihren Trainern aber schnell in die Schranken gewiesen, denn Fussball ist schliesslich ein Teamsport und Egoisten haben darin keinen Platz. Genau dieses Trainerverhalten ist für einen späteren Dribbler aber Gift. Selbstverständlich müssen die Kinder lernen, dass sie nicht jede Aktion alleine entscheiden können, das sofortige Fordern des Passspiels ist in Bezug auf die Kreativität allerdings die falsche Philosophie. Die Trainer sollen den Kindern beratend- und nicht befehlend- zur Seite stehen und im Gespräch mit ihnen erarbeiten, warum Situation XY eher mit einem Passspiel oder doch besser mit einem Dribbling hätte gelöst werden müssen.

Die relevanten 1 gegen 1 Situationen im Kinderfussball

Gegner frontal
Gegner im Rücken
Gegner seitlich

Diese drei 1 gegen 1 Situationen bilden die Basis des Spiels und erfordern deshalb ein gewisses Wissen und Lösungsstrategien. Nachfolgend werden die Schwerpunkte zur Lösung dieser Situationen zusammengefasst. Auch hier ist es wichtig, dass diese nicht von Seite der Trainerin oder des Trainers in die Spieler hineingetrichtert werden, sondern dass es ein gemeinsames Erarbeiten anhand von geschickten Fragestellungen gibt. Lasst die Kinder erstmal offen ausprobieren, wie man eine 1 gegen 1 Situation mit frontal stehendem Gegner lösen könnte. Nach einigen Minuten kann dann die Frage gestellt werden, ob es sinnvoller ist, mit Tempo oder doch eher langsamer auf den Gegner zu dribbeln. Schnell werden die Kinder die unter aufgeführten Schwerpunkte von alleine erarbeiten und nachhaltig speichern.

Abbildung 1. Quelle: kinderfussball-blog.ch

Gegner frontal

Gegen einen frontal stehenden Gegner ist für den ballführenden Spieler vor allem hohes Tempo wichtig. Dies führt dazu, dass in der Regel 1-2 schnelle Finten bereits ausreichen, um den Gegner stehen zu lassen. Ein meist getätigter Fehler ist das Verlangsamen des Tempos, sobald man sich dem Verteidiger nähert. Ausserdem ist es oft zu beobachten, dass die Kinder zu viele Finten machen und damit keinen Raum gewinnen. Ein 1 gegen 1 sollte auf alle Fälle zielorientiert und mit der Absicht, möglichst schnell am Gegner vorbeizukommen, geführt werden. Durch das schräge Anlaufen des Angreifers muss der Verteidiger das Gewicht auf eine Seite verlagern. Wenn die Kinder dies erkennen, so brechen sie auf die andere Seite aus und erwischen ihn auf dem falschen Fuss. Solche Details festzustellen ist allerdings äusserst schwierig und kann von den meisten G- bis E- Junioren noch nicht erwartet werden.

Gegner seitlich

Gegen einen seitlich angreifenden Angreifer ist es primär wichtig, den Ball zu schützen. Dazu soll er mit dem gegnerfernen Fuss geführt werden und der Körper zwischen Ball und Gegner gestellt werden. Je nach Laufrichtung des Gegners kann der Angreifer seinen Weg weiterverfolgen, oder er muss einen Ortswechsel vorantreiben.

Gegner im Rücken

Läuft der Angreifer mit dem Ball nach vorne und der Verteidiger klebt hinter ihm, so gelten die ähnlichen Schwerpunkte wie beim 1 gegen 1 seitlich. Primär soll der Ball mit dem Körper geschützt werden. Zur besseren Orientierung empfiehlt sich der Schulterblick.
Steht der Angreifer allerdings mit dem Rücken zum Tor, so hat er zwei Lösungsmöglichkeiten. Entweder bricht er zu Seite aus und es entsteht ein seitliches 1 gegen 1 oder er dreht sich schnell an Ort und Stelle, woraus ein frontales 1 gegen 1 entsteht. Um die richtige Entscheidung zu treffen, soll sich der Angreifer auch hier durch den Schulterblick orientieren

Was ist entscheidend für eine erfolgreiche 1 gegen 1 Situation?

Die Kinder sollen eine Lust auf Herausforderungen entwickeln. Dies geschieht aber nur, wenn wir ihnen klar machen, dass Fehler absolut nichts schlimmes sind und allen passieren. Eine fehlerverzeihliche Atmosphäre ist deshalb unabdingbar. Ferner ist die Freude am Ausprobieren von neuen Finten wichtig. Egal ob diese bereits beherrscht werden… Ausprobieren! Zuletzt ist selbstverständlich auch der Wille und das Selbstvertrauen wichtig. Wenn sich ein Kind bereits vor dem Start der Aktion unterlegen fühlt, wird es das Duell in neun von zehn Fällen auch verlieren.

Wie coache ich 1 gegen 1 Situationen?

Das wichtigste wurde bereits erwähnt: Lasst die Kinder ausprobieren und benutzt die aufgelisteten Schwerpunkte lediglich als Leitfaden für euch selbst. Damit die Kinder tatsächlich kreativ werden können, brauchen sie keine Trainer, welche ihnen alle Lösungen geben. Nutzt die gemachten Fehler und versucht, eure Juniorinnen und Junioren durch provokantes Fragestellen in die richtige Richtung zu “schupsen”.

Wie setze ich das in der Praxis um?

Der methodische Fahrplan des schweizerischen Fussballverbands empfiehlt, eine Übung offen zu starten, damit erste Erfahrungen gesammelt werden können. Danach folgt ein Übungsphase und zum Schluss ein Wetteifern. Durch den offenen Start eruieren die Trainerinnen und Trainer den aktuellen Wissenstand der Kinder und erkennen erste Fehlerquellen. Mit Hilfe einer geschickten Gesprächsführung sollen die Kinder dann die zutreffenden Schwerpunkte erarbeiten. Diese gilt es dann in der Übungsphase detaillierter zu erwerben. Während dieser Phase sollen die Trainer beratend zur Seite stehen und den Kindern direkte Rückmeldungen geben. Im letzten Teil der Übungszeit wird ein sogenanntes Wetteifern inszeniert. Dies erhöht noch einmal die Aufmerksamkeit und die Motivation der Kinder.

Im Übungs-Bereich wurden Übungen zu den drei 1 gegen 1 Situationen inklusive Beschreibung hinzugefügt. Gerne kannst Du Dich dort inspirieren lassen.

Quellen

Titelbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20180602_FIFA_Friendly_Match_Austria_vs._Germany_Lainer_Sané_850_0881.jpg

Chatzialexiou, Joti (2018): DFB- Strategie- “Wir haben die Bolzplatzmentalität verloren” https://www.morgenpost.de/sport/article215780151/Chatzialexiou-Wir-haben-die-Bolzplatzmentalitaet-verloren.html

11freunde.de: Sag mir wo die Fummler sind. https://www.11freunde.de/artikel/daran-hapert-es-fussball-deutschland

Kern, Raphael; Papilloud, Jean-Jacques; Furger, Claudia; Mangiaratti, Alessandro und Truffer, Bruno (2015): Kinderfussball – Theorie und Praxis. Kursdokument J+S und SFV. Bern: SFV

Ein Gedanke zu „Das 1 gegen 1 im Kinderfussball trainieren

  1. Einfach und verständlich geschrieben und erklärt. Auch die Bilder helfen um alles genau zu verstehen.
    Gestern habe ich mit meinen Mädels bereits eine übung ausprobiert und sie hatten grossen Spass!!

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