Metaphern im Kinderfussball

Kleine Kinder leben in einer magischen Erlebniswelt, in der sie sich im Zentrum sehen. Alles was sie wahrnehmen und fühlen, beziehen sie auf sich selber. Die Wahrnehmung ist zunächst aber noch wenig entwickelt, weshalb ihre Vorstellungen vom Leben und Erlebten zwischen Traum und Wirklichkeit schwankt. Kinder neigen dazu, leblose Dinge zu beseelen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein kleines Kind meint, dass der Einkaufswagen ,,böse’’ ist, weil er wegrollt, oder dass es zum Halbmond ausruft: ,,Guck mal Mama, der Thomas hat den Mond kaputt gemacht.’’

Erst mit sieben Jahren gleicht sich das Denken des Kindes allmählich dem analytischen Denken eines Erwachsenen an. Nun ist es beispielsweise in der Lage, Situationen zu analysieren oder eine Vorstellung von Vergangenem und Zukünftigem zu haben. Da sich alle Kinder unterschiedlich entwickeln, kann diese Phase der magischen Erlebniswelt auch noch länger gehen, bei anderen vielleicht kürzer.

Zu beobachten ist jedenfalls, dass speziell die jüngeren Kinder im Kinderfussball enorm auf integrierte Geschichten im Training anspringen. Wenn wir das Interesse der Kinder wecken wollen, dürfen wir sie nicht als kleine Erwachsene behandeln, sondern müssen uns in ihre Welt begeben und in ihrer Sprache sprechen. Dann können wir uns über eine erhöhte Aufmerksamkeit ihrerseits erfreuen, was ihr Lernpotenzial in einer freudvollen und kindsgerechten Umgebung steigert.

Der kindliche Geist braucht bildhafte Geschichten, die die Fantasie anregt, um zu lernen, zwischen Gut und Böse oder Arm und Reich usw. zu unterscheiden und Ideale wie Ehrlichkeit, Tapferkeit und Mut zu erleben. Dafür eignen sich bspw. Märchen besonders. Die erzählten Bilder übertragen Kinder dann auf ihre Wirklichkeit, da sie in diesem jungen Alter über ein bildhaftes Gedächtnis verfügen. Theoretisch kann jede Kindergeschichte in eine Übung umgewandelt werden. Vorkommende Tiere eignen sich ebenfalls, da deren Fortbewegungsarten das Bewegungsrepetoire der Kinder auf eine ganz eigene Art reizt.

Bezogen auf ein Kinderfussballtraining sehen wir zwei Umsetzungsmöglichkeiten des Themas: Zum einen das Übersetzen von Anweisungen in einzelne Metaphern und zum anderen die Durchführung einer Übung als Geschichte.

Unsere Metaphern, die sich allesamt schon bewährt haben:

  • Sonne
    Man stelle sich vor, der Ball sei die Sonne und von ihr strahlen viele Strahlen ab. Die Gegenspieler stehen jedoch im Weg und deshalb ist hinter diesen Schatten. Die Mitspieler sollten sich also in die ,Sonne’ stellen, um angespielt werden können.

  • Blume
    Wir als Mannschaft wollen uns bei Ballbesitz in die Breite und Tiefe verteilen, so wie eine Blume bei Tag geöffnet ist. Kommt allerdings die Nacht, sprich der gegnerische Ballbesitz, schliesst sich die Blume und unsere Mannschaft soll ganz kompakt zueinander kommen.

  • Bowling
    Der Torhüter soll den Ball flach zu den Mitspielern auswerfen bzw. bowlen. Wünschenswerter wäre jedoch, wenn er den Ball an den Boden legen und einen Flachpass spielen würde (Technikschulung). 

  • Ball jagen wie Wespen
    Wir wollen die bzw. den gegnerischen Spieler mit Ballbesitz so aufsässig jagen wie es Wespen tun.

  • Einander helfen
    Sei es bei der Verteidigungsarbeit (dass auch die Angreifer zurück kommen sollen) oder beim Freilaufen + Anbieten bei meinem Mitspieler.

  • Mutig sein wie ein Löwe
    Wir wollen den Gegenspieler mit Ballbesitz nicht zusehen, wie sie Fussball spielen, sondern schnell den Ball erobern gehen. Wir sind mutig in den Zweikämpfen. Wir trauen uns, entschlossen ins 1:1 zu gehen. Wir bleiben beim Fussballspielen ruhig und konzentriert, egal was passiert. 

  • Schnell sein wie ein Flugzeug
    Wenn wir eine Lücke oder Raum auf der Seite finden, wollen wir das zügig ausnutzen.

  • Der Ball ist mein Goldschatz
    Uns soll bewusst sein, dass der Ballbesitz etwas wertvolles ist. Wir geben Sorge zum Ball und denken an unsere Teamkollegen (die den Ball auch gerne haben), als ständig zu dribbeln.

  • Ich bin der Chef vom Ball
    Eignet sich meist bei Ballführ-Übungen, bei denen man den Kindern zeigen möchte, dass sie die sind, die entscheiden, was der Ball als nächstes macht. Bzw. wann er still steht, wenn man dem Ausbildner zuhören soll.

  • Aufstellung wie ein Auto
    Eignet sich mit Grafik eines Kinderautos mit vier grossen Rädern aus der Perspektive von oben. Wir haben zwei Räder vorne (Angreifer) und zwei Räder hinten (Verteidiger) im Spielsystem 4+1.  

Bei allen Konzepten lohnt es sich, Grafiken zu erstellen bzw. Bilder ausgedruckt (am besten laminiert) mitzunehmen und den Kinder zur Veranschaulichung zu zeigen. Kennt Ihr noch mehr Beispiele?

Folgend zwei Übungen, bei denen parallel eine Geschichte erzählt wird:

Anregungen zu diesem Beitrag nehmen wir gerne in der Kommentarspalte entgegen. Weitere Übungen findet man hier.


Quellen:

Prekop Jirina, Schweizer Christel. (1990). Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen. Ein Elternbuch (24. Auflage). München: Kösel.

SFV Kinderfussballkonzept (Konzept ,Sonne’ & ,Blume’)

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