Spielerisch die Ballführung trainieren

Um die Ballführung und die Technik zu fördern gibt es unterschiedliche Methoden. Zweifelsohne haben auch Drills ihre Daseinsberechtigung. Gerade bei Bambinis oder jüngeren Juniorinnen und Junioren soll das Üben allerdings spielerisch stattfinden. Meist gilt das Interesse alleine dem Fussballspielen und Übungsphasen werden eher als Pause zwischen den Fussballspielen empfunden. Eine gute Übung gibt den Kindern demnach nicht das Gefühl von eintönigen Slaloms, sondern fordert sie spielerisch so heraus, dass sie schlussendlich nicht mehr merken, dass die Technik geschult wird. Zudem können sich die Kinder bei spielerischen und variantenreichen Übungen länger konzentrieren. Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zum Spiel, denn bei den Drill- Formen ist der Orientierungsinn meist nicht so wichtig, da jedes Kind für sich alleine dribbelt. In den spielerischen Übungen befinden sich alle Kinder auf dem gleichen Feld, weswegen immer auch aufeinander aufgepasst werden muss. So wird automatisch die Orientierung an den Mit- oder Gegenspieler und am Raum geschult.

Was beinhaltet eine gute spielerische Übung?

Das wichtigste ist selbstverständlich der Ball. Um die Technik zu schulen, muss jedes Kind in der kurzen Übungsphase möglichst viele Ballkontakte erreichen. Als Faustregel gelten ungefähr 1000 Kontakte pro Trainingseinheit. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, dass jedes Kind seinen eigenen Ball hat. Weiter sollen die Kinder auch die Möglichkeit haben, eigene Finten und Bewegungen einzubauen. Dies fördert die Kreativität und das Selbstvertrauen. Eine spielerische Übung soll- wie es der Name auch schon mitteilt- Spielcharakter haben. Dazu muss es ein Ziel geben, welches die Kinder erreichen wollen. Dieses muss von den Ausbildnern nach und nach verändert werden, so dass sich die Spielerinnen und Spieler neu motiviert führen. Man kann sich dies wie eine Art „Levels“ vorstellen. Nach einer gewissen Zeit steigen die Kinder ein Level hoch, wobei sich auch der Schwierigkeitsgrad verändern kann. Speziell bei jüngeren Kindern eignen sich Geschichten wie “Fuchs im Hühnerstall” ideal um die Identifikation und den Spass an und mit der Übung zu fördern.

Die wichtigsten Anforderungen an einer spielerische Übung

  • Jedes Kind hat einen Ball (Schulung der Technik)
  • Ziel, welches angepasst wird (Variationen; längere Aufmerksamkeit)
  • Spielfreude und Kreativität (Einbezug der Kinder)
  • Spass
  • Emotionen wecken
  • Alle Kinder zusammen im Feld (Orientierungssinn; Spielnah)
Hütchenwald

Im Beispiel des „Hütchenwaldes“ würde man damit beginnen, dass die Kinder zuerst frei durch den Raum dribbeln und Zusammenstösse mit Mitspielern oder Bäumen (Hütchen) verhindern sollen. Dabei wird sowohl die Orientierungsfähigkeit als auch die enge Ballführung gefördert. Um dem Spielcharakter gerecht zu werden, kann als „Strafe“ für allfällige Zusammenstösse mit den anderen Spielern oder den Bäumen das Erfüllen einer Bewegungsaufgabe eingeführt werden. Solche könnten beispielsweise Purzelbäume, Hampelmänner oder das Balancieren auf einem Seil sein. Nach den Bewegungsaufgaben dürfen die Kinder dann wieder am Spiel selbst teilnehmen. Innerhalb dieser spielerischen Übung kann die Schwierigkeit so gesteigert werden, dass der Ball nur noch mit dem linken Fuss geführt werden darf, oder die Kinder die Bäume umdribbeln sollen. Um Variationen gerecht zu werden, können die Bewegungsaufgaben geändert werden. Damit auch die Kreativität der Kinder einbezogen wird, können bei den Bäumen Finten ausgeführt werden. Diese dürfen entweder frei gewählt oder auf Anregung der Kinder vom Ausbildner bestimmt werden. Bei älteren Kindern bietet es sich auch an, jeder unterschiedlichen Baumfarbe eine Finte zuzuordnen.
Im letzten Teil der Übung kann auf einen Wettbewerb zurückgegriffen werden. Die Kinder könnten innerhalb von zwei Minuten möglichst viele Hütchen umrunden. Dies sorgt für einen extra Schub an Motivation und wird dem Spielcharakter gerecht. Die erzielten Punkte müssen dabei auch gar nicht klassisch der Reihe nach im Kreis aufgesagt werden, da dies die schwächeren Spielerinnen und Spieler blamieren könnte.
Damit die kindlichen Emotionen geweckt werden, soll auf das Thema “Wald” eingegangen werden. Die Ausbildner sollen die Kinder gedanklich in einen Wald entführen und ihnen klar machen, dass dort grosse und hohe Bäume wachsen und man unbedingt Zusammenstösse vermeiden sollte.

Brückenwächter

Als weiteres Beispiel kann die Übung „Brückenwächter“ dienen. Die Kinder in blau versuchen auf die gegenüberliegende Seite zu dribbeln und dürfen dabei ihren Ball nicht an den gelben Spieler verlieren. Wenn der “Wächter” einem Spieler den Ball wegnehmen kann, so wird dieser ebenfalls zum Wächter und unterstützt ihn in der nächsten Runde beim Erobern der Bälle. Durch das Ziel, ohne den Ball zu verlieren, auf die andere Seite zu kommen, erfüllt die Übung im Vergleich zu einem einfachen Slalom die Anforderungen einer spielerischen Übung. Die Kinder müssen stets den Kopf heben und sich im Feld orientieren, damit sie wissen, wo sich die Wächter befinden. Durch das automatische Ändern der Anzahl Fänger geschieht zudem eine stetige Variation der Schwierigkeit. Auch hier sollen selbstverständlich Variationen eingebaut und mit beiden Füssen geübt werden. Es bietet sich auch an, unterschiedliche Bälle zu nehmen, da das Verhalten jedes Balles sehr unterschiedlich sein kann.

Schlusswort

Anhand der Übungen lässt sich erkennen, dass das Ballführen ohne Probleme und mit viel Spass spielerisch gelernt werden kann. Neben der Förderung der technischen Fähigkeiten haben solche Übungen zudem noch weitere positive Effekte auf die Kinder. Durch das “Chaos” mit allen Spielern in einem Feld entsteht eine spielähnliche Situation, in welcher sich die Kinder im Raum orientieren müssen. Ausserdem haben die Kinder dabei natürlich viel mehr Spass als bei den klassischen Drills.

Weitere Beispiele von spielerischen Übung gibt es auf unserer Homepage. Dazu einfach HIER klicken.

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