Kognition im Kinderfussball

Kognition ist die Fähigkeit, Informationen durch Wahrnehmung zu verarbeiten. Egal ob im Alltag, in der Schule oder beim Fussballspielen, Kinder sind ständig mit Informationen konfrontiert. Diese nehmen sie auf fünf Arten auf (visuell, akustisch, taktil, kinästhetisch, vestibulär). Eingeordnet im Gehirn werden diese Informationen im Scheitellappen, Hinterhauptslappen und Schläfenlappen. Anschliessend werden sie zum Frontallappen weitergegeben, wo vom Menschen eine Antwort auf diese Informationen gegeben wird. Dieser Prozess im Frontallappen übernehmen die exekutiven Funktionen.

Die exekutiven Funktionen sind also zuständig, wie wir auf Informationen und Reize reagieren. Gerade in einer Spielsportarten sind Kinder unzähligen Reize ausgesetzt. Wenn wir mit den Kindern spielnah trainieren wollen, ist es also sinnvoll, sie an die Verarbeitung dieser Reize zu gewöhnen bzw. sie darin zu schulen, in kürzerer Zeit bessere Antworten auf einkommende ,,Probleme’’ zu finden.

Bevor wir in die Praxis gehen, möchten wir uns aber noch ein wenig gründlicher den exekutiven Funktionen widmen. Pädagogen nehmen immer häufiger verhaltensauffällige Kinder wahr; vielen fällt es schwer, sich generell ,,im Griff zu halten’’ oder es gibt andere, die immer leichter ablenkbar sind. Exakt an diesem Punkt setzten die exekutiven Funktionen an. Die drei Hauptkomponenten der exekutiven Funktionen sind:

  • Die Inhibition von Verhalten und Aufmerksamkeit

Darunter versteht man die Fähigkeit, etwas trotz bestehender Impulse nicht zu tun oder sich nicht ablenken zu lassen, um ein Ziel konsequent zu verfolgen. Die Aufmerksamkeit und das Verhalten können durch eine gut funktionierende Inhibition gesteuert werden und sind dadurch weniger von äußeren Bedingungen, den eigenen Emotionen oder fest verankerten Verhaltensweisen beeinflussbar. Durch die Fähigkeit Verhalten und Emotionen zu hemmen gelingt es, diejenigen Aktivitäten oder Handlungen zu vermeiden, die einem angestrebten Ziel oder der zu erledigenden Aufgabe entgegenstehen.

Mit einer guten Inhibition bzw. Impulskontrolle fällt es den Kindern also leichter, den Fernseher nicht einzuschalten, sondern mit den Hausaufgaben zu beginnen, oder einen Konflikt mit Worten zu führen, statt ihn mit den Fäusten auszutragen.
 Die Inhibition unterstützt auf diese Weise soziales und selbstreguliertes Verhalten.

  • Das Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis hat bei Erwachsenen eine begrenzte Speicherkapazität von etwa sieben Elementen wie einzelne Wörter, Objekte und Ziffern über einen Zeitraum von nur wenigen Sekunden.Trotz seiner begrenzten Speicherkapazität ist das Arbeitsgedächtnis jedoch von großer Bedeutung. Es ermöglicht uns Informationen vorübergehend zu speichern, um mit ihnen zu arbeiten. Das Arbeitsgedächtnis benötigen wir beispielsweise beim Lösen von Kopfrechenaufgaben, indem wir uns an die errechneten Zwischenergebnisse erinnern und die nachfolgenden Rechenoperationen durchführen.

Das Arbeitsgedächtnis ist ebenfalls gefordert, wenn wir einen Satz sprechen und verstehen wollen, wie zum Beispiel beim Einbau von Hilfsverben und Nebensätzen. Dies ist erst recht der Fall, wenn wir eine Fremdsprache verwenden und während des Sprechens im Geist nach geeigneten Vokabeln suchen, diese vom Deutschen in die Fremdsprache und wieder zurück übersetzen. Das Arbeitsgedächtnis trägt damit entscheidend dazu bei, dass komplexe kognitive Fähigkeiten wie Sprache und mathematische Leistungen entstehen können. Darüber hinaus unterstützt das Arbeitsgedächtnis, sich an Instruktionen anderer Personen oder an Zwischenschritte von Handlungsplänen zu erinnern und Handlungsalternativen zu vergleichen, um eine bessere Lösung zu finden.

  • Die kognitive Flexibilität

Die kognitive Flexibilität baut auf dem Arbeitsgedächtnis und der Inhibition auf. Eine gut ausgebildete kognitive Flexibilität ermöglicht es, sich auf neue Anforderungen schnell einstellen zu können. Sie beschreibt zudem die Fähigkeit, Personen und Situationen aus anderen, neuen Perspektiven zu betrachten und zwischen diesen Perspektiven zu wechseln. Eine gut ausgebildete kognitive Flexibilität hilft, offen zu sein für die Argumente anderer, aus Fehlern zu lernen und sich auf neue Lebenssituationen und Arbeitsanforderungen schneller und besser einzustellen.

Kinder, die sich also besser ,,kontrollieren’’ und fokussieren können, haben mehr Erfolg beim Erledigen ihrer Aufgabe, erleben dabei mehr Freude und Anerkennung und kommen dabei in die Aufwärtsspirale des Lernens:

Im folgenden Dokument finden sie Ideen, wie man das Trainieren der exekutiven Funktionen in ein Kinderfussballtraining integriert. Alle drei Übungen können sie sich hier als Gesamtpaket downloaden. Die Übungen stehen ihnen als Word-Dokumente zur Verfügung, damit sie nach eigenen Wünschen verändert werden können. Über Kommentare zu diesem Artikel würden wir uns freuen.

Kognitives Passen:

Zum einen wird hier die kognitive Flexibilität geschult, in dem immer nach neuem Farbaufruf andere Hütchentore in Frage kommen, um durchpasst zu werden. Weiter wird das Arbeitsgedächtnis gefordert; wer schneller weiss, wo bspw. die weissen Hütchentore sind, wird schneller reagieren können. Zudem könnte die Inhibition gefordert werden, indem ein verwirrendes Signal gegeben wird. Dies ist möglich, in dem bei den Hütchen vor dem Ausbildner eine Reihenfolge bestimmt und mit den Spieler festlegt, dass bei Aufruf einer Farbe die nächsthöhere (oder -tiefere) gemeint ist.

Kognitives Ballführen:

Wenn man in dieser Übung die Farben bspw. mit Automarken ersetzt, wird das Arbeitsgedächtnis gefordert. Ebenfalls bei der Variante, wo die Kinder eine eigene Farbe in der Hand haben und dementsprechend reagieren müssen (Wissen sie, dass sie zB. ein blaues Hütchen in der Hand haben oder müssen sie jedesmal nachschauen? Wie schnell geht’s vergessen?). Die kognitive Flexibilität wird gefragt aufgrund der immer sich ändernden Situationen, wie eigentlich bei den anderen Übungen ebenfalls jeweils. Inhibition kann man hier trainieren, in dem man das erste Hütchen eines Slaloms andersfarbig legt und dieses massgebend ist, als welche ,,Farbe’’ dieser Slalom im Moment betitelt ist.

Kognitives 1vs1:

Inhibition kann hier gefördert werden, in dem man bestimmt, dass bei Farbaufruf (z.B. ,,gelb’’) die gegenüberliegenden Farbe (hier ,,blau’’) gemeint ist. Die Kinder müssen beim Üben dabei diesen Impuls das Gelbe zu berühren, weil man ja den Ball bekommen will, unterdrücken und richtig handeln. Kognitive Flexibilität wird gefordert, da Farbaufruf des Ausbildners sich stetig ändert. Letztlich Arbeitsgedächtnis: wird verlangt, bei der Position der Farben im Viereck, welche positionsmässig während der Übung selbstverständlich verändert werden können.

Quellen:

Prof. Dr. Dr. Spitzer, Manfred (TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen). Exekutive Funktionen – Basis für erfolgreiches Lernen. Zugriff am 14. April 2019 unter http://www.znl-fex.de/Fex_Broschuere.pdf

Bundesamt für Sport. (2011). J+S Kids Theoretische Grundlagen (2. Auflage). Magglingen.

Titelbild: http://longevity.stanford.edu/a-consensus-on-the-brain-training-industry-from-the-scientific-community-2/

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